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Aus »Waldeinsamkeit«. Gedichte 2008, Vers 31032 bis 31071

JÄGERNDORFER STANZEN


Für Robert Hohlbaum

Daß wahrer Traum als alles Leben leuchte,
Sagt jungem Volk dein Stanzen-Testament,
Daß nicht im Angstschweiß groß die Lebensfeuchte
Sondern im Kuß, der mürb und dunkel brennt,
Und daß der Mensch nur ein paar Jahre bräuchte,
Daß er der Heimat Mutterliebe kennt,
Hast du bezeugt in zart gewebten Silben,
Die tönen, wenn die Bücher längst vergilben.

Du nennst das Grenzland deine frühen Pfade,
Dies machten uns in London und Paris
Die Egel, die uns gern an Steiß und Wade
Heimsuchen und zu gern das Goldne Vlies
Entführten und die Göttin störn im Bade.
Doch wer da späht in artemissche Grotte,
Verfällt zuletzt der eignen Köterrotte.

Du schaust mit klarem Aug die Charakere,
Die uns umschmeicheln, jagen, ignoriern,
Du scheidest wie aus schwarzem Blatt die Schere
Die Schatten, die so ähnlich sind den Tiern,
Dein Vers ist leicht und wohlig kann die Kehre,
Den Einklang im Gedächtnis inszeniern,
Weil jede Fügung spricht vom Dichterblute,
Und jedes Ohr im Reim erkennt das Gute.

Die Weine sind dir klar und Goethes Frauen,
Du bist der Meister im subtilen Spiel,
Du kannst die Blumen und die Monde schauen
Und kennst den Reim, darein das Limit fiel,
Doch Bruckners Preisgesang darfst du vertrauen,
Weil du begreifst, daß die Musik am Ziel,
Und darum sollst im Grab nicht weiter reden,
Denn Spärenhall ist die Musik von Eden.

Der Oberförster ging mit dir spazieren,
Die Kronen später aus dem Rokoko,
Du konntest nur gewinnen, nicht verlieren,
Ein Osterfeuer ward dein Geist-Geloh,
Und wenn die Krähen auf die Runen stieren,
So bleibt du dennoch im Geheimnis froh,
Denn wer dich kennt, der nähert sich der Stelle,
Da Gott die Zeit beschämt mit seiner Helle.