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Aus »Waldeinsamkeit«. Gedichte 2008, Vers 29977 bis 30017

ORANT


Zu Andreas Gryphius

Talisman vor Nixennetzen,
Glogaus Greif das Kraft-Emblem,
Wo die Schlachter Messer wetzen,
Daß ein Wort den Sprecher fem,
Wo das Väterland in Tränen
Schier erstickt, strahlt dein Sonett,
Rein wie Gartenkunst-Fontänen,
Und auch wie du selber fett.

Mehr als jede andre Stimme
Wardst du Muster dem Barock,
Wo das Zarte wie das Schlimme
Wucherte als Schierling-Schock,
Auch dein Tod als Eichenfäller
Ward ein Vorbild diesem Kreis,
Denn allein am reichen Teller
Trifft sich Adel mit Geschmeiß.

Daß vergänglich alles Treiben,
War dir Elegie und Witz,
Lust und Qualen aufzuschreiben,
Reicht kein Hundertjahr-Besitz,
Eitel bleiben die Versuche,
Die der Mensch mit Fleiß bemüht,
Ob er lobsing oder fluche,
Kümmert nicht, was fällt und blüht.

Gott läßt nicht die Bienen fliegen,
Daß den Honig wir verschmähn,
Läßt du dich nicht unterkriegen,
Darf dein Zahn die Tafel mähn,
Wer da nutzt, was er gespendet,
Lob den Herrn auf jede Art,
Und wenn dann das Leben endet,
Ward gewiß zu viel gespart.

Morgen schon kommt eine Horde,
Die die Wunder niederreißt,
Darum sei noch vor dem Morde
Rasch der Salmen aufgespeist,
Not zu mühn, ist nicht vonnöten,
Denn sie klopft gar bald ans Tor,
Doch unsterblich klingt in Köthen
Gryphius’ Reim im deutschen Ohr.