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Aus »Gefangener Schwan«. Gedichte 1984, Vers 2225 bis 2248

ALTER UND LIED


Die Liebe vergreise, verkünden die Toren,
Und alte Erinnerung sei uns verloren,
Da Werke des Jahrs mit dem Jahre vertosen.
Der Tau bleibt an liebliche Blumen gebunden,
Die Wärme belebt neubefiederte Stunden,
Und Sonne, schon alt, hegt die werdenden Rosen.

Doch holder dies alles der Muse beschwere
Gewand und Geflecht und die Blumen der Ehre,
Gewonnen schon lang und seit langem gesponnen,
Sie welken und falln nicht wie lenzene Blüten
Verfallen und tragend nicht zeitlos vergüten,
Da Sommer und Winter sind ihnen gesonnen.

Kein Werden entmutigt, kein Werden begeistert,
Die solcherart lieb warn, gefühlt und gemeistert,
Sie hoffen nicht Liebreiz von Sonne und Regen
Und schützende Schirme vor Frost und Gewitter,
Nicht ihrer zu sorgen den hegenden Ritter,
Denn ihnen blüht Dauer und furchtloser Segen.

Gedachtes von einst, das wir dankbar betrachten,
Wirkt länger, als Menschen und Völker beachten
Des Todes Befehl, und die einsamsten Gaben
Bewahren die edlen und ehernen Reiche,
Der Stolz aller Kraft, aller Lust bleibt der gleiche
Im Licht, über Menschen und Alter erhaben.