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Aus »Das Murmeln der Ilm«. Gedichte 2008, Vers 27466 bis 27521

MUSIKANTEN


I

Sie kommen auf dem Wagen mit der Plane,
Und eh sie stehn, bezeugt sie die Schalmei,
Für Flöte, Baß, Fagott und Mandolei,
Macht selbst der vollgefreßne Spießer Bahne.

Die Geige schwingt sich aus dem Trubel frei
Und thront wie Lerchen auf der Wetterfahne,
Wenn Mädchen tanzen, wird die Balz dem Hahne
Oft schwer, denn leider bleibt es dann dabei.

Der Dudelsack birgt Schmelz von einem Schwane,
Und das Akkordeon mag die Schunkelei,
Bis du zerfließt im sphärischen Soprane.

Du weißt nicht, ob das Spiel das Burgfest weih,
Und ob die Klarinette Monomane
Wie dich zuletzt des Spielverderbens zeih.


II

Die Musikanten haben zu berichten
Von Not und Neid und auch zum Preis der Frauen,
Sie lassen uns in einen Weltkreis schauen,
Da sprudelte die Quelle der Geschichten.

Im Nordwind steht der Bauer da, im rauhen,
Er bringt, da sich die Wolken rasch verdichten
Die Herde heim, schon wiegen sich die Fichten,
Und erster Regen nieselt in den Auen.

Hier spricht das Leben klar in seinen Pflichten,
Jedoch die Mönche wissen Bier zu brauen –
Und welcher Landmann mag darauf verzichten?

Wir dürfen tief in eine Seele schauen,
Und so uns selbst und unser Tun gewichten,
Und selbst der Stumpfste hört jetzt auf zu kauen.


III

Die Musikanten rufen uns zur Linde,
Dies haben sie seit tausend Jahrn getan,
Da schmerzt das Bein nicht mehr, und auch Zahn
Gibt Ruh wie auch die Herrschaft dem Gesinde.

Das ist der Frühling, der den Speiseplan
Uns schmückt wie wir die weiße Birkenrinde,
Daß man Girlanden um den Maibaum winde,
Brauchts Klettrer aber keinen Eisenkran.

Wer wohl sein Lieb beim Lindentanze finde?
Ob er sich trau, dem Herzensglück zu nahn?
Noch wartet das Geschmeid im Bodenspinde.

Schon rollt ein Faß und sucht sich seine Bahn,
Denn wohlfeil gibt sich heut dem Christenkinde
Der Abschied von des Winters Wucht und Wahn.


IV

Die Musikanten spielen auf der Heide
Mit Instrumenten und mit hellen Worten,
Verschloß der Winter lang die Lebenspforten,
So trägst du heut das rote Kleid von Seide.

Und säh ich nur von den gestickten Borten
Ein Stück, fänd ich doch jeden Mann im Neide,
Denn in der Lieb sind Melodien wir beide,
Und scheidbar nicht wie Korn und Apfelsorten.

Darf ich vertraun, was ich für Schmerzen leide,
Stehst du am Busch, am winterlich verdorrten,
Der mir den Blick durchstreicht wie graue Kreide?

Dies ist kein Singsang aus dahergeschnorrten
Gefühlen zwischen Traudich und Vermeide:
Es ist das Lied, das wir im Herzen horten.