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Aus »Das Murmeln der Ilm«. Gedichte 2008, Vers 27186 bis 27265

DAS MURMELN DER ILM


I

Murmeln, Wahrwort, Urgespür,
Flüstern, Ahndung, Rätselhall,
Dieser Born kann nichts dafür,
Wenn der Rabe meint Verfall.

Hier strömt alles ungelaugt,
Hier sind Schätze noch daheim,
Was dir diese Botschaft taugt,
Wird geformt im Herzensreim.


II

Murmelspieler warst du früh,
Als der Tod noch unbekannt,
Zwischen Taugold und Geblüh
Wuchs dein Reich im roten Sand.

Murmellaute barg das Haus,
Da das strenge Nein und Ja
Drückten noch nicht deutlich aus,
Daß was ist, nur einmal da.

Murmeln sind der Welten Kern,
Rollend ohne Unterlaß,
Schon der Knab stieg allzugern
Bergab rollend in das Faß.

Murmelt dir der Quell, so starrst
Du, daß dich die Seele floh,
In der Grotte, tief im Karst,
Warst du ihrer Selbheit froh.

Murmeln, nicht als Rauschen gelts,
Das dich schlägt und überschwemmt,
Murmeln ist kein Mantelpelz,
Sondern nur ein leichtes Hemd.

Nicht der Rausch, der gleißt und bannt,
Nicht des Minners Sporn und Faust,
Sondern eine offne Hand,
Drin du deine Flügel baust.


III

Was vom Quell behält der Bach,
Ist das Murmeln früh und spät,
Ob da Licht, ob Ungemach,
Dies Getön zu Träumen lädt.

Dies sind schwanke Melodien,
Zwischen Kaum und Nur-Vielleicht
Sich die Klangmotive ziehn,
Deren eins fürs Leben reicht.

Wer sie spürt, die Furcht verliert,
Vor dem Wandel, dem Verlust,
Denn der Fluß, der dies gebiert,
Hat noch immer Rat gewußt.

Mag ihn strenger Winter friern,
Singt er leiser und vermummt,
Doch es wird dir nicht passiern,
Daß sein frohes Lied verstummt.


IV

Was wir Landschaft, Heimat, Ort
Nennen, hat vom Wasser Form,
Was uns Erde, Ding und Wort,
Ist bestimmt von seiner Norm.

Die Substanz, die Salze sprengt,
Fäden spinnt und Ringe reiht,
Wird vom Sonnenstrahl gelenkt,
Der durch sie erfährt die Zeit.

Reif und Dunst sind Masken bloß,
Da in seinem inneren Drang
Nebel nicht noch Gletscher groß
Führn des Schöpfers Pfad entlang.

Denn die Welt ist stets ein Fluß,
Innen, außen, oben, tief,
Dessen Fracht und Überschuß
Murmelt aus dem Traum-Archiv.


V

An der Ilme bin ich gern
Bruder meinem Wanderstock,
Hier ist keine Einkehr fern
Oder feind dem grünen Rock.

An der Ilme bin ich oft
Fortgegangen durch das Land,
Drin sich deutscher Traum verstofft,
Willig an dem Murmel-Band.

An der Ilme bin ich längst
Reif und reich an Sämerein,
Wenn du an das Murmeln denkst,
Wird das Wort das rechte sein.

An der Ilme bin ich rein
Wie der Bach, der schattig spricht,
Und ich tret ins Murmeln ein,
Daß ich selber sei Gedicht.