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Aus »Zwischen Dünwald und Pleiße«. Gedichte 2008, Vers 24562 bis 24601

OFTERDINGEN


Weißer Felsen, Saalebrücke,
Knoten, den das Schicksal zurrt,
Traumesfetzen, Jugendstücke
Wirbeln durch den Geist, der murrt.

Hier traf ich im ersten Buche
Des Novalis schlichtes Grab,
Der als Dichter mir die Suche
In die frühen Träume gab.

Ofterdingen, der im Korne
Selig singt von blauer Blüt,
Weiß und rot im Rosendorne
Weiß die Sehnsucht das Gemüt.

Hier hab ich den Freund getroffen,
Der mir Hölderlin geschenkt,
Und ich bleib auch heute offen,
Wer hierher die Schritte lenkt.

Später hat er Ofterdingen
Einen Briefroman gefühlt,
Meine Stimme möchte singen,
Doch der Geist ist zu zerwühlt.

Auch der Sohn der Goldnen Aue,
Dem der Vers palettenweis,
Trat, daß ich ihn erstmals schaue
Hier am Markt im kleinsten Kreis.

Und wir dachten an den Dichter,
Der in Hymnen an die Nacht
Alles Licht als harten Richter
Hat verflucht und ausgemacht.

Wagnern wars ein Lob des Dunkels,
Das er hold zum Tristan wob,
Wo Isold, des Licht-Gefunkels
Leid, die Fackel grob zerstob.

Später schritten wir nach Röcken,
Wer als Knabe Hölderlin
Preist, der bleibt den Wanderstöcken
Treu, bis ihn die Sinne fliehn.

Also läßt die Saalebrücke
Immer Ofterdingen spürn,
Mehr als die Romanzen-Stücke,
Die doch nie ins Zentrum führn.