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Aus »Zwischen Dünwald und Pleiße«. Gedichte 2008, Vers 23362 bis 23425

LEGENDEN VON RÜBEZAHL


Manchen mag es arg verstören,
Daß der Schlesier Schrat und Schelm,
Ist mit Vers und Stroph zu hören,
Wo der Landgraf trägt den Helm,
Doch die Mären von dem Geiste,
Brachte einer zu Papier,
Der hier oft vorüberreiste
Und nicht Pfarrer wurde hier.

Erst hat man ihms angeboten,
Meinte dann, er ginge fehl,
Nicht nur spätre, wie die Roten
Schauten auf den Dichter scheel,
Also ist der Gnom geraten,
Kindlich ungezähmt und frei,
Und im Buch der Schelmentaten
Ist der Autor stets dabei.

Von der Frauen List und Tücke
Ist im ersten Band die Red,
Sie befehlen Wagestücke,
Töricht, wer das nicht versteht,
Also kam der Gnom zum Nicke,
Schwitzt beim Zählen Wams und Hemd,
Nur daß er nicht dorthin blicke,
Wo die Lieb geht fröhlich fremd.

Der Gehörnte läßt die Erde,
Kehrt zurück nach langen Jahrn,
Hinter einer Ziegenherde
Hört er die Gesellen fahrn,
Einer wagts den Gnom zu pönen,
Dieser sinnt, was jenen töt,
Ohne daß da Schreie tönen
Und die Gegend dann veröd.

Also seiner Larve gleichen
Und den frechsten Raub vollführn,
Dann noch das Beweisstück reichen,
Geister hindern niemals Türn,
Da hier Provision zu holen
Sind die Herrn von Hirschberg schnell,
Daß Prozeß und Haft befohlen
Und gehenkt sei der Gesell.

Nur weil seine Bibelkunde
Trostlos, kämpft der Pfaff um Zeit,
Droht mit Kirchenbann zur Stunde,
Wenn die Seel er nicht befreit,
Während übt der arme Schächer,
Irrt sein Lieb mit Reu und Gram,
Bis ihr gradenwegs der Rächer
Rübzahl in die Quere kam.

Ihrer Schönheit wohl gewogen,
Hört er sich den Kummer an,
Und erkennt, daß ungelogen
Er das ganze Leid ersann,
Er läßt sie mit Hoffnung warten
Und trägt selbst der Folgen Teil,
Und noch einmal mischt er Karten,
Daß der andre froh enteil.

Fünf Legenden stehn geschrieben
Deren zweie ich zitiert,
Wären es auch dreimal sieben,
Jeder gern die Zeit verliert,
Denn des Rübelzahls Legenden,
Sind so lebensklug und frisch,
Daß damit ein Fest zu enden
Scheint mit einem leeren Tisch.