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Aus »Rhön und Rennsteig«. Gedichte 2007, Vers 21750 bis 21789

OPPIDUM


Die Gleichberg überm Grabfeld sind
Das Tor ins Tannenland der Rhön,
Und wer ein hennebergisch Kind,
Der findet Keltenkreuze schön.
Einst trug ein herrliches Gesind
Die Haare rot und gold in Bön
Und siedelte mit freiem Wind
Wie Sparta auf Hephaistos’ Höhn.

Die Steinsburg spricht mit Wall und Wehr
Von harten Männern, starken Fraun,
Und der Chronist zählt Schlachten her
Und Wucht, mit Schwertern dreinzuhaun,
Hier sagt dir das Ruinenmeer,
Was sich nur Eigenholde traun,
Wo Schritte, fest und bodenschwer
Auf Fels mit Felsengöttern baun.

Die Edlen unterm Mistelblatt
Vermieden Schrift und totes Wort,
Leicht setzt sich dies an Weisheits Statt
Und treibt vom Sinn des Ursprungs fort,
Denn wenn man bloß die Zeichen hat,
Dann fehlen Stimmung, Licht und Ort,
Und blutlos, reizarm, falb und matt
Wird Sprache, wenn der Laut verdorrt.

Die Spätern, die der Schrift vertraun,
Sie sprechen Hohn dem stummen Stein,
Doch Wolke, Stern und Quelle schaun
Niemals in Alphabete rein,
Drum hüte dich in Keltengaun
Dein unbedachtes Wort zu schrein,
In Blende, Quarz, Asbest, Alaun
Schloß sich ein stummer Odem ein.

Dies wird so sein, wenn das Papier
Zerfällt und Ton und Marmor blind,
Und fehlt dem Geist die Schnörkelzier,
So lies in Kraut und Eichenrind:
Fern unserer Glut und unserer Gier,
Stand einst ein herrliches Gesind
Und trug das Haar als Leibs Panier
Am hohen Ort im freien Wind.