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Aus »Saalisches Lied«. Gedichte 2007, Vers 20361 bis 20440

WALSBURG


Quellenhort und Pilgerwall,
Wo sich die Wisenta gibt,
Waberlohe, Wacht, Wallhall,
Lenz, darin der Sperling fiept,
Saalisch Lied und Adlerhorst,
Windsbraut, Wandervogelnest,
Freier Bauer, Widerborst,
Der sich nicht verkaufen läßt.

Abgelegen wie seit je
Deutsche Seele haust im Wald,
Jungfrau weiß im ersten Schnee,
Aber tausend Jahre alt,
Dorf mit sechzig Seelen drin,
Die erwärmt Frau Holdas Mär,
Manche Burschen wandern hin,
Einer mit dem Golde kehr.

Burg, darin Rebellenschar
Trotzt der großen Höfe Fron,
Wer in diesen Bergen war,
Weiß sie folgen keinem Thron,
Dem sie nicht in freier Kür
Treue und Gefolgschaft schworn,
Dieses Herz hat offne Tür,
Doch dem Teufel ists verlorn.

Da das Recht nicht länger galt,
Hat die Burg ein Heer geschleift,
Wissend nicht, daß nirgends halt,
Findt, wer sich am Recht vergreift,
Das Geschlecht, das dies befahl,
Sündig wider deutschen Brauch,
Fiel nicht nur im Saaletal,
Land und Krone fielen auch.

Denn der Bauer und der Graf
Stehn und fallen ungetrennt,
Ohne Weide ist das Schaf
Nur Geblök, das Hunger kennt,
Nur wenn jeder Stand im Reich
Mehrt durch Opfer und durch Tat,
Keimt die Saat und hält der Deich,
Drum der Mensch den Heiland bat.

Erst stand hier ein Mühlenrad,
Bald die Hammerschmiede derb,
Und ein frohes Wirtshaus trat
In den Kreis von solch Gewerb,
Hoher Ofen Eisen schmilzt,
Pochwerk, Brauhaus, Mälzerei,
Zeit, drin du als Täter giltst,
Schafft und tut zu Reichs Gedeih.

Mit dem Saaledampfer kommt
Bald der erste Kurgast her,
Was dem Stadtverdroßnen frommt,
Schafft auch anderm Volk Begehr,
Kurhaus, Betten, Halle, Strand,
Mittagstisch beim dritten Gong,
Ufer, einst ein fernes Land,
Brückt der erste Stahlbeton.

Brücke, die die Wehrmacht sprengt,
Bleibt nur erster Kriegsverlust,
Bald an Kur hier keiner denkt,
Rad und Hammer suchen mußt,
Da das Reich im deutschen Land
Ward verboten und verpönt,
Hörst du auch an diesem Rand,
Wie das Volk verzweifelt stöhnt.

Was des Menschen Klugheit kann,
Was uns Müh und Sorge tun,
Mag nicht brechen Acht und Bann,
Läßt uns nicht in Frieden ruhn,
Weiter fort ist jetzt der Graf,
Gar auf fremdem Kontinent,
Die Entscheidung, die er traf,
Trifft ein Volk, das er nicht kennt.

Ohnmacht lähmt und macht uns krank,
Doch es bleibt uns das Gebet,
Heiland, sende sonder Wank
Zeichen, daß der Wind sich dreht,
Daß der Geier ehrlos Pack,
Nicht das Ziel der Zeiten bleib,
Länger nicht als greises Wrack
Deutsches Land im Nebel treib.