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Aus »Saalisches Lied«. Gedichte 2007, Vers 21127 bis 21174

SCHULPFORTA


Seit Moritz von Sachsen erklärte
Das Kloster zum Schulinternat,
Betraten die fürstliche Fährte
Begabte für Kirche und Staat,
Der Gau kam an Preußen, die Lehre
Zog eine Elite im Zaum,
Hier ward eine Sache der Ehre,
Die Bildung im klassischen Traum.

Die Jugend mit Härte und Strenge,
Die Leistung mit Pauken und Drill,
Die peinliche Ordnung der Gänge
Fragt nicht, was der einzelne will,
Manch einer litt unter der Regel,
Der Freizeit selbst winters im Hof,
Und ließe gern Luther und Hegel,
Die Klassik und den Neunerschworf.

Ob Keildienst, ob Famuluspflichten,
Manch Zögling erdrückt dieser Stand,
Doch darf seine Träne nicht richten,
Da Großes entsteht einem Land,
Wenn Knaben wie hier die Portenser
Kein weibisches Zagen beschränkt,
So sucht nicht die Gans sich der Gänser,
Es punktet, wer großartig denkt.

Auf Ehrfurcht und dauernder Mühe
Ruhn Einsicht, Gedächtnis, Geschmack,
Die Einfalt bevorzugt die Kühe,
Der Schwätzer gehaltloses Pack,
Wer Wagner vor Fausten gewichtet
Und höher noch elbische Feen,
Mit Steiner ein Weltreich erdichtet,
Der bleibe im Sandkasten stehn.

Dort darf er von Ödipus schwatzen
Und wie sich verwirklicht der Hund,
Gemeinsam mit Hasen und Spatzen
Sich freun, daß das Bilderbuch bunt.
Doch wer sich zum Maß statt der Fliegen
Antike und Gotik erkennt,
Der sorgt, daß der Höhe der Stiegen
Er keine Beachtung verschwend.

Der Letztmensch hegt alles Gemeine,
Bannt Großes mit Schmutz und Verdacht,
Dem Herrn weiht er geistlose Weine,
Die Schrift er zum Kinderbuch macht,
Den Adel er haßt, die Elite,
So soll auch die Bildung nicht blühn,
Doch du wirst nicht dienen der Niete,
Der Herrgott bestimme dein Mühn.