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Aus »Saalisches Lied«. Gedichte 2007, Vers 21045 bis 21086

DORNBURGER SCHLÖSSER


I

Die Kaiserpfalz des Großen der Ottonen
Manch Minnesang aus Reiches Wiege weiß,
Der Reichstag hegte hier das grüne Reis
Und schuf den Traum, drin viele Häuser wohnen.

In Lehn und Schuld schub sich auf manches Gleis
Die Burg, Gemach so manchen Herrn und Kronen,
Den Bauern, die den Tag im Weinberg fronen,
Ist meist egal, wie nun der Ritter heiß.

Sie streben nicht nach Wechsel und nach Thronen,
Denn andrer Art ist ihrer Weisheit Kreis
Und Gott wird ihre Treue stets belohnen.

Und deutet gar ein Narr aufs Schloß: Befreis!
Der Bauer geht zu Gurken und zu Bohnen,
Der Sohn der Erde bleibt bei Sau und Geiß.


II

Das Rokokoschloß mit dem Rosengange
Hat dich als Kind mit holdem Spiel verzückt,
Wenn solche Einheit mit der Schöpfung glückt,
Dann ist dir um den Weltenlauf nicht bange.

Nicht Wehr und Trutz die Fürstenbleibe schmückt,
Zwar währt auch hier die Friedenszeit nicht lange,
Und manchem scheint groß Unheil bald im Schwange,
Doch dies verneint, wer eine Rose pflückt.

Es sei der Mensch in seinem dunklen Drange
Sich wohl bewußt, wie er die Nächte brückt,
Wie auch die Schwere jedes Pendel fange,

So spricht der Dichter, den das Alter drückt
Und der uns jung wie nie im Schwangesange
Zeigt, wie man aufrecht bleibt wenn man sich bückt.


III

Das Renaissanceschloß bot dem greisen Sänger,
Der Großes sah und manche Narretei,
Ein Herbstglück, da von allen Pflichten frei
Er nachsann, ob er noch ein Mädchen schwänger.

Wohl mag ein hoher Geist sich wie im Mai
Befinden, wenn die Schatten lang und länger
Sich legen und der gnadenlose Fänger
Bei allem, was der Körper spricht, dabei.

Hier dichtet nicht der Stürmer und der Dränger,
Daß ihn vor Hast ein langes Leben fei,
Schuf ihn zum Kosmos und Kulter-Vermenger.

Er schuf der deutschen Dichtung Kern und Ei,
Und jede Jugend fragt den Wiedergänger,
Ob sie zurecht bei ihrer Sache sei.