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Aus »Orlagau«. Gedichte 2007, Vers 19606 bis 19661

HUMMELSHAIN


I

Ob Hummel oder Hunebald,
Wie einstens der Lokator hieß,
Ist strittig, nicht der tiefe Wald,
Drein einst das Häuflein Siedler stieß.

Der Hain zeigt spätres Roden an,
Das mit dem Grundherrn abgemacht,
Wer landlos war, doch stark als Mann,
Hat gern den Axtschlag eingebracht.

Wildreich blieb dieser Fleck bis heut,
Jagdschlösser, Pirschgang und Geheg
Stehn nicht zur Sach gemeiner Leut,
Denn Jagd ward bald ein Privileg.

Gar manchem scheint dies ungerecht,
Doch ist, seit sich der Mensch vermehrt,
Der Braunbär zwar für Menschen schlecht,
Doch meistens ist es umgekehrt.

So muß der Wunsch nach Fleisch und Pelz
Sich Regeln fügen und Gewalt,
Sonst blieben auf dem Sandsteinfels
Nur Wüstungen und tiefer Wald.


II

Das alte Schloß aus dem Barock,
Fand Um- und Anbau dran und drin,
Doch da ein Brand fraß manchen Stock,
Dem Herzog stehts nach Neubeginn.

Das Letztjahrhundert Fürstenrechts
Sank schon, doch zeigt es unserm Blick,
Was in den Fugen des Geschlechts
Gesammelt war an Baugeschick.

Die Renaissance der Renaissance
Beugt sich als spät der Tradition,
Doch wir, bar Klangs und Wiederklangs,
Wärn dankbar für ein Fünkchen schon.

Was anklagt, wenn es uns gefällt,
Entstand in Jahrn, nicht lange her,
Mein Urgroßvater auf der Welt
Schon war, und doch ists eine Mär.

So wird der Graben offenkund,
Der schauen läßt ein Bau-Idyll,
Wird irgendwann das Land gesund,
Dann bleibt von uns nur Zorn und Müll.


III

Das Wildgehege Rieseneck
Entstand zu Zeiten Wallensteins,
Nach hundert Jahrn am gleichen Fleck
Wars mit dem Ziel des Anfangs eins.

Vom Pirschhaus geht ein Gangsystem
Teils offen, teils gewölbt, daher,
Wird Jagd in solcher Weis bequem,
Ist Prinzen schon Erfolg nicht schwer.

Der Herzogsstuhl, ein Meisterbau,
Spricht sich in schlichter Grazie aus,
Kommst du vorüber hier, so schau
Auch unbedingt aufs Grüne Haus.

Dies ist nicht abgehobne Pracht,
Dies ist Geschmack im Menschenmaß,
Und wer sich solches ausgedacht,
Gewiß kein schlechtes Herz besaß.