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Aus »Orlagau«. Gedichte 2007, Vers 18766 bis 18809

ZWEI WÄLDER


Zwei Wälder haben meinen Kinderjahren,
Als Orte und als Wesen viel bedeutet,
Und ihre Botschaft wächst mit meinen Jahren,
Dies wohl, bis einst die Totenglocke läutet.

Der eine ruht am Totenteich im Tale,
Daß kletternd ich die Dunkelheiten lüfte,
Versuchte ich mich viele hundert Male,
Am mergligen und rostigen Geklüfte.

Es war der Buchnußberg mit Kurvenhohle,
Die Schlittenfahrten taugte und Verstecken,
Von blitzgeschlagnen Eichen brach ich Kohle,
Der Felswand früh mein Liebleid zu entdecken.

Hier mischte Schroffes sich mit linden Stufen,
Hier fanden Traum und Tändeln die Kulisse,
Den Grundbaß meines Lebens hört ich rufen,
Hier fand mein Herz das unerhört Gewisse.

Wenn auch zuzeiten täglich Pirsch und Tummeln
Mich lehrten und erlauscht ward manche Weise,
So weiß ich doch im Laufen und im Bummeln,
Daß er mir dunkler wird mit jeder Reise.

Er birgt die Heimlichkeit in seinen Buchen,
Den Inhalt, den man jemals schabt zu Stäben,
Er ist Erfüllung und zugleich Versuchen,
Er überrascht mit Stelen und mit Gräben.

Zur Buchenkron bedurft ich keiner Leiter,
Zum Nachbarhag hab ich den Blick erhoben,
Der Birkenwald liegt nur ein Weilchen weiter,
Wo Ährenfelder steigen sanft nach oben.

Ihn hab ich nie allein noch mit Gespielen
Betreten und lang kam auch nicht die Frage,
Warum dies Feld von allen Wanderzielen
Blieb ausgeschlossen bis zum heutgen Tage.

Der Birkenwald, an den sich Pfade schmiegen,
Hellfarben sein Gekräut wie Laub und Äste,
Ich sah die Maiden sich im Winde wiegen
Und sagen, das verheimlicht bleib das Beste.

Es mag verboten sein, dort einzudringen,
Doch niemand sprach mir je von solchem Banne,
Mir wars genug, daß diese Jungfraun singen,
Und wieder forscht ich nur im dunklen Tanne.

Mir scheint der Wald, den ich mit Ehrfurcht grüßte,
Vertrauter als der dunkle, dem ich eigen,
Und so mag sein, daß ich da leblang büßte,
Daß ich betrat sein Träumen und sein Schweigen.