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Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 17323 bis 17355

KREIS UND KREUZ


Im Einzelwesen scheint der Kreis das kleine,
Der Tag, die Woche und die Jahreszeit,
Geburt und Tod dagegen sind gemeine
Erfahrungen im Reich der Endlichkeit.

Doch schaut man die Planeten und die Sterne,
So glänzen sie mit Reim und Wiederkehr,
Und was im Raume fern, ist zeitlich ferne,
Doch sie, ein Rad, bringt alles endlich her.

Und welche Deutung die Kultur bestimme,
Entscheidet sich daran, ob eine Schar
In Ehrfurcht und in Selbstbescheidung glimme,
Oder obs Wahl der allermeisten war.

Bei Goethe reimt sich deutlich, daß die Leute
Nur ihres Teils gewahr und größrem kalt,
So fand mit ihrer Macht und Vielheit heute
Die Linie gar als Fortschritt Zweckgestalt.

Der Fortschritt ist Verbrauch in jeder Weise
Und was er erbt, gibt er zum Abschuß frei,
Er wuchert wie ein Pilz in jede Schneise
Und macht sogar den Himmelsdunst zu Blei.

Das Kreuz ist zwar die Linie vor dem Kreise,
Jedoch die Ebne, die sie selbst nicht schafft,
Erfüllt ihr einer weitren Linie Schneise,
Da sie Geschichte kreuzt mit Gotteskraft.

Dies Bild wird oft von Deutern mißverstanden,
Als ob dies handle von Augustus Zeit,
Der Scheitel doch, da Heil und Zeit sich fanden,
Ist immer und steht jedem Tag bereit.

Also versteh die Zeit als eine Flanke,
Die das Gebot, von Nacht und Licht zu wähln,
Berührt, und deinem Schöpfer ewig danke,
Daß in der Furcht vor der Versucher-Pranke
Nicht nur die Uhren Tag und Taten zähln.