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Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 17356 bis 17391

LETZTE WORTE


Kaum wagst du deine eignen ersten Worte,
Schon wird in dir der Philosoph geweckt,
Kaum lerntest du, was not an welchem Orte,
Schon wird das Wort als unerlaubt versteckt.

Auch Sein und Haben werden dir Begriffe,
Und daß, wer zu genau sie trennt, nervös,
Im Wannenwasser froh versenkst du Schiffe,
Bis man dir sagt, dies sei entsetzlich bös.

Es haben und es sein folgt manchmal später,
Drum würf man besser manche Dinge fort,
Der eine hat bestimmt den schwarzen Peter,
Der andre hat gewiß das letzte Wort.

Das letzte Wort wird dir oft vorgehalten,
Als wüßtest du vorher, daß nichts mehr kommt,
Denn im Gespräch muß immer recht behalten,
Wer weiß, was ihm und auch dem andern frommt.

Im heißen Wunsch, daß niemand widerspreche
Und Echo uns allein gegeben sei,
Zahlt mancher schon allein die ganze Zeche
Und macht sich damit von der Antwort frei.

Zuletzt ist nicht nur zeitlich zu verstehen,
Auch logisch hat es Sinn als höchster Stand,
Ein Einwand, der ertönt in Erb und Lehen,
Ist läppisch wie die Fliege an der Wand.

So ist der Wunsch zum Antworten-Vernichter
Voll synonym der Willenskraft zur Macht,
Man unterschätzt den reimverliebten Dichter,
Nicht ahnend, welcher Urgrimm hier erwacht.

Der Dichter will Zuletzt und Echo einen
Und Widerred erstickt er schon im Keim,
Denn es gibt keinen Platz für das Verneinen,
Im Machtbezirk von Takt und Silbenreim.

Und läßt er schließlich seine Leibeshülle,
Behält er doch auch fürder letztes Wort,
Weil er sich sicher ist, daß seine Fülle
Noch weiter echot, wenn er längst verdorrt.