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Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 17964 bis 18011

URUK


Uralter Himmel, schöpfungsfrüh,
Der noch in kargen Resten zeigt,
Daß jung im Paradiesgeblüh
Der Mensch die höchsten Leitern steigt,
Daß einst er glich des Gottes Bild,
Von dem der späte Sänger träumt,
Daß alles Maß, das wahrhaft gilt,
Den Fluten des Euphrat entschäumt.

Im Kalksteinbau, im Zikkurat
Stehn Großskulptur und Mosaik,
Sie hegen Kult und Hochzeitspfad
Vom Ewigkeit und Augenblick,
Daß Heil die Augen führ und treff,
Bezweifle nicht an diesem Ort,
Ein Reichtum grüßt aus dem Relief,
Der holder ist als jedes Wort.

Rollsiegel, vom Onyx gekrönt,
Zeigt Gilgamesch und Enkidu,
Die unerreichte Kunst verschönt
Der Seele Glück im holden Du,
Die Helden, tragisch, groß und wild
In Leidenschaft, in Lust und Schmerz,
Verraten uns, was dauernd gilt
Im Himmel und im Menschenherz.

Was in den Ton gegraben steht,
Hat früh dein junges Blut entflammt,
Denn was der Herbstwind nicht verweht,
Aus diesem Liebes-Loblied stammt,
Hegt deine Dichtung nur ein Gran
Von diesem Hort, gilt beim Gericht
Ihr Bluten vor dem Scribblerwahn
Und zeigt dem Wäger ein Gewicht.

Die Siedlung gründet Enmerkar,
Sein Vater schwand auf hoher See,
So stehn am Anfang Flucht und Fahr,
Die Wunde und das Schöpfungsweh,
Das Opfer bleibt Millennien hier,
Bis sich die Rasse falb verbraucht,
Der heitre Bund von Gott und Tier
In Schlämme des Euphrates taucht.

So bleibt uns die Sumererstadt
Das goldne Alter vor dem Fall,
Wer einen kurzen Atem hat,
Besinge nicht den stolzen Wall,
Wir hoffen nicht, daß solches kehr,
Wir stehn umspukt im Nebelland,
Doch unser Traum ruft Uruk-her
Und kennt nicht Schlamm noch Wüstensand.