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Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 17862 bis 17911

VOLKSFEST IN TRAUNSTEIN


Die Häuser sind beflaggt, geputzt
Sind Gehsteig, Platz und Rinne,
Und wer die Stadt spazierend nutzt,
Hat sorgfältig sein Haar gestutzt
Am Kragen und am Kinne.

Heraus in diesen Maientag
In Dirndl, Tracht und Leder!
Wer wie Marie sein Madel mag,
Der trage sonder Not und Klag
Am Hut die Pfauenfeder.

Das Marterl kränzen Kerzen licht,
Die tags und nächtens brennen,
Des Brauers Mähre weiß die Pflicht,
Und trabt mit manchem Faßgewicht
Zum Markt, den alle kennen.

Dort bläst der Lehrer die Posaun,
Der Drucker streicht die Geige,
Die Pauke schlagen Bäckersfraun,
Die frisch wie warme Brezen schaun,
Der Ausschank ist nicht feige.

Das Volksfest Frau und Mannsbild schart
Zu ungeübten Chören,
Das Bier bringt frohen Lärm in Fahrt,
Doch wer hier nicht geboren ward,
Wird nie dazugehören.

Ob du auch glänzt im Hahnenfett,
Der Durst den Maßkrug leere,
Daß jedes Mäkeln und Gefrett
Du meidest, macht den Gram nicht wett,
Der nicht gereicht zur Ehre.

Dein Herz ist schwer im frohen Tag,
Es meint, du darfst nicht feiern,
Als rief ein Horn aus nahem Hag,
Will dir dein Fuß, der wandern mag,
Das Aug mit Dunst verschleiern.

Zwei Dutzend Jahre rannen hin,
Seit du ins Land gekommen,
Es geizte nicht mit Grund und Sinn
Und machte Aussicht auf Gewinn,
Den dir die Zeit genommen.

Zwar liegt der Ort, wo jeder tanzt,
Gar lieblich lind im Tale,
Doch deckt der Himmel Berg-befranst
Nicht, daß du einzig lieben kannst
Im Burgenland der Saale.

So sei das nächste Maienfest
Für dich in Orlamünde,
Auch wenn dich mancher Herbst betreßt,
Der lenzne Ost wie grimmer West
Von deiner Heimkehr künde.