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Aus »Babylon des Worts«. Gedichte 2007, Vers 17676 bis 17707

AM ABGRUND


Er hat die Höhe mühelos erklommen,
Dies ist ein Ort, wo niemand unkt und stört,
Man fühlt sich vom All-Einen angenommen,
Wenn man nicht mehr der Kleinlichkeit gehört.

Nur etwas Mut, ein Schwindel läßt ihn halten
Erinnerung treibt aus der Seele her
Mit manchem Bild, den Willen zu erkalten,
Und endlich wird, was leicht erschienen, schwer.

Die Liebe hat gelogen, weiterleben
Heißt unterschreiben des Gehörnten Los,
Dem neuen Tag ein neues Trugbild geben,
Vergessen, was so einzig schien und groß.

Alltäglichkeit – dies ist ein herzlos Wesen,
Die Linderung der Zeit ein schlechter Scherz,
Wer fühlt, der will vom Bluten nicht genesen,
Wer jemals liebte, liebt auch seinen Schmerz.

Wie soll man, vom Betrug gepeinigt, leben?
Allein, die Pfade, die das Leben führt,
Und Schätze, die erst späte Jahre heben,
Sind unserm Aug mit festem Band verschnürt.

Und manches, was uns Unheil dünkt und Schrecken,
Erweist sich später als das rechte Tor
Zu höhern Glücken oder höhern Zwecken,
Wenn unser Blick die Ungeduld verlor.

Er wankt zurück und schreibt in seiner Beichte,
Daß mutlos er, jedoch das Herz so wund,
Was er zu tun bereit, doch nicht erreichte,
Macht er gereimt den Dichterfreunden kund.

Die sprechen gern von Metren und Gedanken,
Doch über allem Trost steh Lebensmut:
Das Leben läßt uns zweifeln, straucheln, wanken,
Doch was es schenkt, macht alle Schande gut.