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Aus »Fliederblüten«. Gedichte 1981, Vers 211 bis 252

VERFALL


Sehnsuchtsvoll vor den Ruinen
Frühgeliebter Träume stehn,
Toten Sonnen, die einst schienen,
Huldigen, doch weitergehn,
Meinte Sommer, frühlingsfroh,
Und es schien, ich ebenso.

Und ich schwenkte meine Grüße
Manchem goldnen Falter hin,
Schmeckte Reifens Honigsüße,
Sah im neuen Tag Gewinn
Und im Wechsel Wiederkehr
Einer Kraft, vor allen hehr.

Doch mein Schauen mußte zeigen,
Was ich besser nicht gesehn:
Blasser Kinder Totenreigen,
Geier, die nach Beute spähn,
Trauer, Traum und nie ein Ziel,
Nur Betrunkner Würfelspiel.

Wo die Brunnen lüstern locken
Aus verwittertem Gestein,
Brachen Götter ganze Brocken
Unverdautes, Rotz und Schleim,
Und ihr Todesröcheln ward
Die Musik auf meiner Fahrt.

Und der Götter Spielgefährten:
Blume, Baum, kristallner Quell,
Schwanden mit verbrannten Gärten,
Und ihr Schreien, kurz und grell,
Schlang ein Feuer, ausgesandt,
Drin ich mein Gesicht erkannt.

Ich verkroch mich in die Sümpfe,
Sah die Sterne blaß und blank,
Und ich sah die Flucht der Nymphe,
Dorn entriß ihr Nachtgewand,
Was die Seide mir vergieß,
War ein Wort, das Wind zerblies.

Und ich suchte es zu fassen,
Und ich spann so manchen Reim,
Und ich konnte dies nicht lassen,
Doch ich holte sie nicht heim.
Und so fahr ich leblang fort,
Doch ich finde nie das Wort.