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Aus »Idäisches Licht. Zweites Buch«. Gedichte 2006, Vers 12922 bis 12963

ORTYGIA


I

Sie floh in die Gestalt der Wachtelhenne,
Der scheuen, die man nur im Dämmer hört,
Denn Zeus, der alles, was da lebt, betört,
Verlangte, daß er ihren Schoß erkenne.

Zum Adler hat sich seine Gier empört,
Daß er im Licht die Flüchtige berenne,
Das Licht bot keinen Schlupf und keine Tenne,
Bis sie ins Meer, das Nacht und Ruh beschwört,

Als Stein fiel und als Insel sich bewehrte,
Als Sternengöttin und Titanenkind
Die Würde wahrte, die der Greif entehrte.

Dies lehrt den Segler, was die Inseln sind:
Ein harsches Weib, das dem Verführer wehrte,
Wo an den Felsen klagen Flut und Wind.


II

Man schildert Zeus als geil in allen Reichen,
Geerbt hat diese Leidenschaft Apoll,
Doch sein Register ist nicht halb so voll,
Wie das des Vaters, keinem zu vergleichen.

So mag, was uns vom delischen Atoll,
Bekannt ist als ein frühes Namenszeichen,
Auch anderswo auf ein Verzweiflungs-Weichen
Hindeuten wie das Windgeharf in Moll.

Es sind die Inseln Jungfraun, die den Lander
Nur ahnden lassen, was im Innern schwelt,
Und frei vor Xerxes und vor Alexander

Bleibt das Geklüft, umwogt und pfadverfehlt,
Denn wie das Flammenrot dem Salamander,
Das Element das große Tor verhehlt.


III

Um Inseln rangen alle Griechenstämme,
So wie um Helena in Ilion,
Und manche schwammen auf dem Meer davon,
Und fürchteten nicht Sturm und Wogenkämme.

Sie glitzern in der schattenfreien Sonn,
Als Perle und als scharf geschliffne Gemme,
Allein der Frosch bewohnt die Buchtenschlämme,
Und unerweckt bleibt ihrer Tiefen Wonn.

Hephäst werkt oft in ihren Glutentiefen,
Doch ist der Schmied kein Minner und kein Held,
Und Aphrodite lacht ob seinem schiefen

Gehink, das er mit Traumgeschmeid verstellt
Und uns verrät, daß in den Felsarchiven
Wohnt Fruchtbarkeit für manche neue Welt.