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Aus »Idäisches Licht. Zweites Buch«. Gedichte 2006, Vers 12619 bis 12668

OREADE


Wenn der Weg, den ich genommen,
Grottenhin die Einkehr zeigt,
Will ich auch dem Brauche frommen,
Daß die Fragerin willkommen,
Die der Einsamkeit entsteigt!

Will die Frucht des Lebens schälen
Und zerschlagen selbst den Kern,
Was ich weiß, will ich erzählen,
Wo ich nichts weiß, gut zu wählen,
Hoffe ich auf meinen Stern.

Fragst du, was mir selber bliebe,
Wenn die Welt mir nichts mehr gibt? –
Allem wird die Zeit zum Diebe,
Doch unsterblich strahlt die Liebe
Dort, wo sie vergeblich liebt.

Fragst du mich, was mein entgrenzter
Geist im Haus der Schatten tut? –
Wohl vertraut sind mir Gespenster,
Und Gehenkten, die am Fenster
Rütteln, geb ich oft mein Blut.

Fragst du, ob mein Aug gespiegelt
Wohlfeil sei für Schild und Troß? –
Seine Tiefen sind versiegelt,
Was das Paradies entriegelt,
Taugt nicht für ein andres Schloß.

Fragst du mich, ob der zum Narren
Wird, der seinem Traume glaubt? –
Sieh, vom Dach nahm ich den Sparren,
Vor Medusen auszuharren,
Die im Land erhebt das Haupt.

Fragst du, ob ich Weitgereister
Sagen kann vom Höllenstrom? –
Im Gewimmel sattsam Feister
Artemis, dem Dunkel Meister,
Orpheus trug zu Heliodrom.

Aber, wo von Finsternissen
Stets die Rede, sei gesagt,
Keine Stunde möcht ich missen
Im Gefährlich-Ungewissen,
Das die Reue nie gewagt.

Soll Verrat der Richter schauen,
Wo der Liebende das Glück
Ahndet, wird das Firneis tauen,
Und der Fön kennt nur Vertrauen,
Und das Herz weiß kein Zurück.

Darum sollst nicht länger fragen,
Denn ich reim allein, was du
Wortlos meinst, wenn du im Hagen
Spät erscheinst, den Geist zu tragen,
Und die Augen fallen zu.