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Aus »Traum von Atlantis«. Gedichte 1994, Vers 10411 bis 10506

TRAUM VON ATLANTIS


Vermählt sich dem lechzenden Grale
Der Speer, der ihn schüttert und bauscht,
Vermut in subtiler Kabale
Den Schelm, der die Weiser vertauscht,
Läßt Jason im Sumpf die Sandale,
So lächelt Athene und lauscht,
Wie tief in der Schildkrötenschale
Der Traum von Atlantis verrauscht.

Schaut Hölderlin Neckar und Ister,
Schaut Tasso das heilige Land,
Erscheinen als Zwillingsgeschwister
Die Flut und der lodernde Brand,
Zieht Minne verborgne Register,
Und splittert der Bogen gespannt,
Betrachtet der homo sinister
Die stofflose Schrift an der Wand.

Nicht sagt die verwittert Bemooste,
Wer hold deinem Lager sich neigt,
Den Fremdling, der früh mit dir koste,
Hat keines der Zeichen gezeigt,
Ob Lanzelot hart mit dir tjoste,
Frag nicht, eh der Morgenstern steigt,
Und nicht, ob der Trauer zum Troste
Das Herz, das du fragen willst, schweigt.

Nach Ufern verweist es dich weiter,
Gesichtlos, verschollen und fernst,
Dort zeigt dir ein nächtlicher Reiter
Die Himmel, die du erst besternst,
Doch wisse, ob jegliches scheiter,
Der Tag, sei es Tod, da du lernst,
Atlantis zu schauen, wird heiter
Im Jenseits von Scherzen und Ernst.

Ob du als ein bannend Gebannter
Poseidon die Sturmrosse schirrst,
Dem Knaben mit Flöte und Panther
Verfällst, oder taubengleich girrst,
Vergiß nicht, der Flug der Atlanter
Thront leicht über Zinne und First,
Und daß du im Traum ihr Verwandter,
Zum Aar und zum Seligen wirst.

Umschauern dich Brunnen und Hohle,
Gewähn, das das Morgenlicht scheut,
Heult Fenris am Mitternachtspole
Als Tilger und Traumtherapeut,
So halte die Lebenssymbole
Und was deine Sinne erfreut
Geheim wie die Tagesparole
Der Arche in Holzapfelkreuth.

Nicht jedes Beginnen ist heilig
Und führt zu den Quellen zurück,
Ob was dir der Traum sprach gedeihlich,
Die Bläter vom Löwenzahn pflück,
Er spricht und verhüllt doppelzeilig
Von Himmel und Erde ein Stück,
Der Narr hat es immerfort eilig,
Doch regungslos wartet das Glück.

Es will wie die späteste Aster
Bemerkt sein am Rande des Jahrs,
Es spielt sich durch Tugend und Laster
Wie Wind durch die Wellen des Haars,
Und schlägt auf das steinerne Pflaster
Der Flieger des Traumes, den Mars
Ersinnt, wo ein kaum noch verblaßter
Dich einspinnt und seligt, erfahr’s.

Bepflanz deinen eigenen Sprengel
Und deiner Domänen obwalt,
Begrenzt durch der Natter Geschlängel
Und offen dem Aar, der dich krallt,
Den Hauch spür, umschmiegend die Stengel
Der Lilien mit Träumen, uralt,
So weist dir im Herbstlicht ein Engel
Die Einheit von Strom und Gestalt.

Er will dich im Glauben befeuern,
Dich hegen als Mutter und Frau,
Die Traumhüter herzen und heuern,
Er will deine Bilder genau,
Den Rost sollen Sturmfluten scheuern,
Bis Gunnlöd nach Thule die Schau
Dir freigibt, das Reich zu erneuern,
Wo je ihm gehuldigt der Gau.

Das magische Gleichgewicht halte
Als Siegel für Spruch und Gedicht,
Den Umkreis des Gauklers entfalte,
Bevor diese Stunde zerbricht,
Und spür, wie dem Jungen das Alte
Den Kranz des Lebendigen flicht,
Und ob auch die Asche erkalte,
Die Wiederkehr nimmt sie dir nicht.

So wird ein gestrandeter Schimmer
Gemein, wenn die Woge sich bäumt,
Es faßt der ertrinkende Schwimmer
Ein Korn von der Krone, die schäumt,
Und sammelt der Tod das Geflimmer,
Wird Schutt von den Quellen geräumt,
Begreifst du erst, daß du schon immer
Den Traum von Atlantis geträumt.