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Aus »Traum von Atlantis«. Gedichte 1994, Vers 9953 bis 10008

FAUST


I

Er ist ein Träumer, aber nicht besessen
Von der Idee, es würd sich alles fügen,
Würd seinem Traum die Macht der Welt genügen,
Und alles, was dagegen spricht, vergessen.

Er weiß von Wahrheit wenig, doch von Lügen
Genug um klug zu sein, sie nicht zu fressen,
Und auch im Traum vergißt er niemals, wessen
Die Gäule sind, die seine Wägen zügen.

Ihm ist die Tat zum Traum nicht Antipode,
Das Doppelantlitz aller Schöpfung inne,
Sieht er im Acker stets die Waldesrode.

Doch auch die Schuld verdirbt ihm nicht die Sinne,
Und der Vergebung dichtet er die Ode,
Den träumerischen Weckruf: Nun beginne!


II

Schlafwandlerisch ist alles Überwinden,
Magie, die Medien nicht gesucht und Pole,
Fragt nie, ob Außen oder Ich die Hohle,
Darin die Pfade sich im Kreuze finden.

Was ihm begegnet, wird ihm zum Symbole,
Zur Mächtigkeit, zu lösen und zu binden,
Und er erkennt die Ketten, die uns schinden,
In unsrer Jagd nach ungetrübtem Wohle.

Das Zentrum seines Traums heißt immer Schaffen,
Sein Wille an der Stumpfheit nicht erkaltet,
Und unter Menschen träumt er von Giraffen.

Auch wenn sein Bild im Zeitenwahn veraltet,
Ein Kapitän, den sah man fröhlich paffen –
Wer weiß, in welcher Träumerbrust er waltet.


III

Er leugnet nicht, mit Teufeln zu paktieren,
Wie in der Welt nichts sein kann ohne Wider,
Er singt den Kranken nicht Erbauungslieder,
Doch seinen Beistand fürcht nicht zu verlieren.

Er fühlt sich wohl im Panzer, im Gefieder,
Ob Kränze oder Lumpen ihn verzieren,
Er hält es mit den Winden allen vieren,
Und manchmal tarnt ihn, daß er allzu bieder.

Der Widerspruch der Welt hat ihn gerufen
Und ihm erschien die Werbung nicht zu schäbig,
Denn er begreift die Prüfungen als Stufen.

Als Bienenstock, der süß und hundertwäbig,
Preist er die vielen, die gewaltig schufen,
Und tuts mal flink und manchmal recht behäbig.


IV

Man hat so viel gekräht nach Doktor Fausten,
Daß Kinderscharen rief man zum Appelle,
Die Interpreten taten oft recht helle
Und merkten nicht, wem ihre Worte grausten.

Im Volksbuch wars ein seltener Geselle,
Ein Klotz dann von den gröbsten und den rauhsten,
Wenn Winterstürme arg und böse brausten,
Dann warnte man vom übelsten der Fälle.

Wir alle sind mit Teufeln nicht nur lose
Verbandelt und mit üblen Machenschaften,
Die allgemein im Schloß und in der Gose.

Doch Liebe läßt das Leben uns verkraften,
Und in der Hand die unsichtbare Rose
Bleibt unsre Seele nicht am Abgrund haften.