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Aus »Traum von Atlantis«. Gedichte 1994, Vers 9697 bis 9736

THULE


Geheimnis und schillernde Rune,
Was einer erfahr und erhoff
Verbindend als Nordhimmel-Buhne,
Geschmeide von mythischem Stoff,
Von Griechen als Weltrand beschrieben,
Von Asgard mit Traumgold betaut,
Ist Thule das Eiland geblieben,
Das rein auf die Polkappe schaut.

Manch Forscher versuchte zu orten
Das Land, das dem Herzen gewiß,
Doch findet kein Segler die Pforten,
Eh Odin den Himmel zerriß,
Es ist nicht auf Karten zu bannen,
Es taugen nicht Kompaß und Stern,
Doch träumst du den Traum der Normannen,
Empfängt es dich willig und gern.

Der Volksglaube reimte beständig
Die reinere Luft und den Strand,
Hier blieb eine Hoffnung lebendig
Und wahrhaft ein gotisches Land,
Man sagte in Liedern und Mären,
Dem Hohen, das manchmal uns streift,
Wollt Gott eine Heimat gewähren,
Die wahrt, was das Festland zerschleift.

Es wird die Magie dir nicht frommen,
Kein Mond, keine Schlange, kein Kraut,
Du wirst nicht ins Thuleland kommen,
Eh du es nicht selber erbaut,
Es hilft dir kein Flügel, kein Wagen,
Selbst Oluf, der göttliche Schmied,
Durft einzig die Hufe beschlagen
Der Mähre, die nordhinnen zieht.

Dein Teil ists, den Traum zu besingen,
Der leuchtet als namloser Stein,
Wenn orphische Hymnen gelingen,
Läßt Gunnlöd den Fahrenden ein,
Dann wird sie verwunschen zum Skalden
Und raunt, was Germania genannt,
Und wenn sich die Wogen bewalden,
Schaust du das verheißene Land.