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Aus »Traum von Atlantis«. Gedichte 1994, Vers 8647 bis 8681

SPÄTHERBST IN LINDAU


Ein letzter Sonnentag, dann stürzt
November aus den Bergen her,
Tyrs Einhand uns die Kehle schürzt,
Und das Gewand der Nacht verkürzt
Die Wintertage mehr und mehr.

Allein die Schwäne fürchten nicht
Das kalte Naß aus Reif und Schnee,
Als wär Gelassenheit die Pflicht,
Erfreuen sie dein Angesicht
Mit Sanftheit aus dem Bodensee.

Die Insel macht die Gassen eng,
Das schützt vor Bön und Feuchtigkeit,
Doch in der Ferne siehst du streng
Die Gletscher wachsen im Gedräng
Nach einem undurchbrochnen Kleid.

Der See, der lind sich wellt und wiegt,
Täuscht uns im West mit Meeresart,
Manch kleines Schiff vor Anker liegt,
Und klein ist auch der Sinn, der siegt
In Gaun, in seinem Dunst geschart.

Du schrittst die Uferrunde ab
Und tatst dies auch im letzten Herbst,
Zwar wird der Atem noch nicht knapp,
Doch fragst du dich, welch Wunder kapp
Die Fessel, drein du Winter kerbst.

Du denkst an die Gefährtenschar,
Die sich am Rheinfall einst getrennt
Du stehst geschützt und ohne Fahr,
Doch die Erinnrung macht dir klar,
Daß dir die Zeit vom Leibe rennt.

Wenn man auf einer Insel steht,
Schärft sich der Sinn für Kunft und Gehn,
Diesmal ein strengrer Atem weht,
Und wenn dein Fuß hier endlich geht,
So wagst du nicht, dich umzudrehn.