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Aus »Traum von Atlantis«. Gedichte 1994, Vers 9177 bis 9224

MEERESFAHRT


Die Säulen des Herakles schwinden
Im Sog der verschweigenden Flut,
Die Augen des Spähers erblinden
Im Glast, der sich tanzend vertut,
Doch wo, übergangen von Winden,
Das Schiff im Gestaltlosen ruht,
Wird sich das Vergessenste finden,
Wenn Wasser sich wandelt in Blut.

Wo Segel wie welkende Brüste
Verdorren im Zeiten-Geschleich,
Geht auch das Gedächtnis zur Rüste,
Und Schwermut umspielt den Vergleich,
Der Krieger, geschlagen, wer wüßte,
Ob nicht auf den Lippen so bleich
Der Traum von der Elfenbeinküste
Ein Zwilling des Traumes vom Reich?

Die Taube, Symbol der Gerechten,
Verschwistert sich niemals dem Ring,
Und wer sich gemeinmacht mit Knechten,
Im Wunsch nach Erlösung verfing,
Wird niemals das Scheitern verfechten,
Das Schwert, das am Erlenast hing,
Und opfert den blutlosen Mächten
Den Trank und die Weisheit des Thing.

Das Reich, das die Heiteren meinen,
Der Traum, der den traumlosen Kreis
Durchströmt und nichts freigibt von seinen
Figuren in Dunkel und Weiß,
Verlor in den heiligen Hainen
Die Schlüssel zu Opfer und Preis,
Doch spricht er aus Sternen und Steinen
Den Herbst und die Fluten des Mais.

Wer, Freiheit vor ihm zu gewinnen,
Den Atem des Drachen bemüht,
Verliert, was ihn hertrieb, da innen
Die Rose des Gauklers verblüht,
Und wird, was ihm wohlwill, zu minnen,
Dem Blendwerk im salzigen Süd
Entfliehn und die Heimkunft ersinnen,
Das Licht, das am Nordhimmel glüht.

Die Säulen des Herakles schwinden
Im Sog der verschweigenden Flut,
Sie mögen der Erde entbinden,
Doch niemals dem prinzlichen Mut,
Er wird unterm Lied, das den Linden
Einst galt auf der Vorväter Gut,
Die Insel der Seligen finden,
Wenn Wasser sich wandelt in Blut.