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Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 8234 bis 8273

OSTIA


Im Untergrund der Mithrasthermen
Erwartet dich das Heiligtum,
Auch wenn nicht mehr die Mannen schwärmen,
Im Kult dem Kaiser gut zu tun,
Kannst du wie meist in diesen Bauten,
Die blühten unter Hadrian,
Erahnden, was die Helionauten
In diesem Grottentempel sahn.

Im Wandrelief, darin der Schlachter
Das Blut des Himmelsherrn vergießt,
Der Schau der Präzession erdachter
Befehl, drin Equinox uns fließt,
Sah Perseus, der Medusen köpfte,
Als Perser und die Opfertat
Als Neugeburt, da sich erschöpfte
Der Äon, den der Stier vertrat.

Die Stufen sind die Weihegrade,
Von Podien ist der Gang beflankt,
Als Abendstern das Tor zum Bade,
Bis ihr im Ost zur Apsis drangt,
Wo der Altar einst den Eleven
Bespritzt, bekränzt und ausgesandt,
Daß er mit dornverletzten Schläfen
Die Weihe trag in Herz und Hand.

Die Stoa, die astralem Glauben
Vertraut, daß er dem Ethos dien,
Sah Tunika und Perserhauben
Als Weg zu Mut und Disziplin,
Da Zahl und Himmel Vorgeschichte
Erläuterten in Harmonie,
Ward jungem Blut in neuer Dichte
Für Leid und Tat Warum und Wie.

Und tiefer als zuvor die Väter
Wagt Jugend sich in Raum und Zeit,
Das große Reich verlangt vom Täter
Ein neues Maß an Heiligkeit.
Wer sich in das Mysterium traute,
Sah sich als höchster Ordnung Teil,
Und was der Sonnenläufer schaute,
Verbürgte Gnade, Ehr und Heil.