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Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 8078 bis 8117

DER TRAUM DES NEBUKADNEZAR


Besieh dich im Spiegel der Zeit:
Gestalt, mit den Winden im Streit,
Entfaltet die Linie und siegt.
Der Stamm, der das Himmelszelt trägt,
Ergibt seine Wurzel der Nacht,
Doch dort, wo ein Schmetterling fliegt
Im seidigen Traumdämmer, wacht
Der Stein, der die Reiche zerschlägt.

Das Gold, das die Allgegenwart
Der Götter im Kranz offenbart,
Die Sonne im Herrscher verleibt,
Ist anfänglich fraglos und leicht
Zu spüren im reinen Gesicht.
Doch unter der Haut, die es schreibt
Mit Schlüsseln und Ziffern aus Licht,
Erkennst du den Stein, dem es weicht.

Die Priester behüten den Kult,
Bezeichnen mit sanfter Geduld,
Was vordem nicht vieldeutig war.
Ihr Silber, ein Schatten des Tags,
Verschleiert zum Rauschen des Quells
Die Götter mit schneeigem Haar,
Zu halten am bröckelnden Fels
Den Stein, aber keiner vermags.

In tieferen Schichten, geschürft
Im Licht, das der Wappenschild wirft,
Entfremden sich Herrlich und Hold.
Das Erz, das im Schwertgesang tönt,
Und ihn, den der Schrecken erkor,
Verwandelt die Stunde zu Gold
Und Götter-Triumphen, bevor
Der Stein seinen Untergang krönt.

Dann siehst du die Schmiede, berußt,
Das Reich, das im Erdfeuer fußt,
Von Eisen, die Götter sind fern
Und niemand, der jemals sie traf.
Der Stein aber, der dies zerstäubt
Zuletzt und sich aufschwingt zum Herrn,
Ein Schmetterling hat ihn betäubt
Mit goldenen Schwingen aus Schlaf.