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Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 7844 bis 7883

ABSCHIED VON RÖCKEN


Herbstgoldne Kühle weht, die Krähen schrein.
Der Abendsonnenschein
Schmückt Felder, die der Schnitter längst vergaß,
Den Efeu und die schlichte Flucht
Der Höfe, welkes Gras,
Bestreut mit Laub und abgefallner Frucht.
Und eine Liebe, die ich einst besaß,
Streift flüchtig mein versunkenes Gemüt.
Die Aster blüht,
Wo sich der Mensch zum Sternenflug vermaß.

Wie oft hat uns der Stein, der Zeichen bar,
In frohgestimmter Schar
Mit wachem Sinn und freiem Mut vereint.
Du birgst dein helles Angesicht,
Das jeden Trost verneint,
Denn was der Jünger sucht, das bist du nicht,
Du willst, ein Leichtfuß und den Gräbern feind,
Den Fels, wo sich die schlanke Natter sonnt.
An dieser Front
Schrak uns das Rätsel, das der Torweg meint.

Nun hat Gesindel, das sich spreizt und reckt,
Den stillen Ort entdeckt,
Hat wohldosiert an biederdeutsche Leut
Aus deinen Schätzen ausgeteilt
Und keine Müh gescheut,
Gereinigt hier, getüncht und dort gefeilt.
So springen die Gedanken, weit gestreut,
Der große Schrecken und das große Glück
Dorthin zurück,
Wo sich der Aar allein der Weisheit freut.

Noch ist es Herbst und abendlich mein Herz,
Nachthin und wälderwärts
Geh ich gefährtenlos mit dünnster Haut.
Am Brunnen, der sich hell ergießt
Mit zaubrisch holdem Laut,
Ist gut zu ruhn, denn meine Seele fließt
Aus ihm zurück, der in das Dunkel schaut,
Mich ehrt, weil seine Augen offen sind,
Und nur dem Wind
Ist alles, was zu sagen ist, vertraut.