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Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 7752 bis 7793

IDOLUM


Oktobertag, der rasch erlischt:
Der Dämmer, der sein Kleid füllt, wischt
Die Spuren von den Wegen,
Doch schattenhaft verheißt sein Buch,
Es zu entziffern sei dein Fluch,
Ihm zu vertraun dein Segen.

Der Abend macht die Farben stumm,
Und ohne Hast geht Hypnos um,
Die Astern zu befeuchten,
Doch du gehst weiter durch die Nacht
Großäugig, wo Astarte wacht
Und Mars und Jove leuchten.

Wer kündet, was die Stunde bringt?
Auch unter diesem Himmel singt
Das alte Lied die Weide,
Die Träume fliegen her und hin,
Und selten fängst du ihren Sinn,
Doch einer band euch beide.

Nicht rüstest du zur Himmelfahrt,
Auch den Atlantern falterzart
Hast du nur eins zu geben,
Der Ahne dort im nackten Stein
Holt dich zu jeder Stunde ein
Im Sterben und im Leben.

Sein ist der Weg und sein das Land,
Es liegt allein in seiner Hand,
Die Sonne einzuholen,
Die Bilder, drin dein Wort verhallt,
Umstellen dich mit der Gewalt
Granitner Nekropolen.

Sie sind seit je zum Fest bereit
Und schaun, ob deine Fruchtbarkeit
Den Stein der Vorwelt schwänger,
Damit, beschwert von solcher Last,
Das Sängerwort den Himmel faßt,
Die Erdenbrust den Sänger.

Oktobertag, der rasch versinkt,
In Schauern, die dein Odem trinkt,
Versteinert zu Gebärden:
Du bist Endymion, der träumt,
Die Seele, die ans Ufer schäumt,
Und Atlas sollst du werden.