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Aus »Heliodromus«. Gedichte 1993, Vers 7480 bis 7527

VIER BLÄTTER


Vier Blätter fielen aus dem Paradiese,
Bewilligt, Adams Blöße zu bedecken,
Das erste schuf der Wurm zum Seidenvliese,
Im zweiten ließ der Moschus sich erwecken,
Das dritte macht dem Bienenvolk die Wiese
Zum Füllhorn, doch die rarsten Wunder stecken
Im vierten, wert, daß es ein Aug erkiese,
Den Herrn zu schaun und seinen ganzen Schrecken.

Man deutet an und redet von Gewürzen
Für Speis und Trank und für den Rest der Tage,
Von Pfaden, Müh und Wanderschaft zu kürzen
In Reiche, gold vom Abendlicht der Sage,
Doch einer weiß, der Obelisk wird stürzen,
Allein das Feuer bleibt der Herr der Lage,
Er sieht Orion sich zum Angriff schürzen
Und zittert weidwund wie der Hirsch im Hage.

Er ist das Tier, das jenes Blatt verzehrte,
Sein Los fragt nicht, ob seine Kraft genüge,
Er dauert im Exil, in das er kehrte
Aus dem Gerausch der unbemeßnen Flüge,
Er hört den Engel, der sich sonst verwehrte,
Und er versteht den Sinn der Vogelzüge,
Er liebt, doch alles, was er je begehrte,
Gemahnt, daß er sich seinem Erbe füge.

Wie allen, die von Göttlichem sich nährten,
Ist ihm ein Fluch die unerhörte Gnade,
Er ist ein Narr dem Volk und den Gefährten,
Und was von Wert ist, ist für ihn zu schade.
Jedoch sein Aug verzaubert Flur und Gärten,
Und monden steigt die Göttin aus dem Bade,
Und wenn die Birken seinen Sinn beschwerten,
Küßt ihn zur Nacht die schlanke Oreade.

Soll er den andern ihre Dumpfheit neiden,
Die bald auch sonst das Göttliche vergessen?
Und doch – allein auf Sternenwiesen weiden
Und menschenfern die Spanne auszumessen
Des Tags und seine Täuschungen vermeiden:
Das heißt, nur noch das eine Blatt zu essen,
Das Adam half, die Dürftigkeit zu scheiden
Dem Blick, und man ergründet niemals, wessen.

Vier Blätter fielen aus dem Garten Eden,
Daß Gottes Traum der Finder weitersinne,
Und wer, getränkt von solchen Ganymeden,
Das Amt fand, wird der Drachenschluchten inne,
Die unterm Herz den hohen Mut befehden,
Doch Heil verbürgen und den Rausch der Minne,
Und die noch im Zerfall der Himmel jeden
Der Söhne fordern: Nimm den Stab, beginne!