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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 5534 bis 5569

LAVENDEL


Der Strauch mit grau verfilzten Haaren
Weiß sich gar recht ins Bild zu setzen,
Blaulila Blüten quirlig scharen
Sich leuchtend, was die Bienen schätzen.
Sie führt wie uns der Duft am Bändel,
Dies ist so Sitte beim Lavendel.

Die Blüten-Rispen samt dem Stengel
Frühmorgens ernt und nach dem Regen,
Denn so gelingts, den Riecher-Engel
Recht unverstellt ins Glas zu legen.
Wie Ohren ein Quartett von Händel
Verzaubert uns die Nas Lavendel.

Vom Mittelmeere kommt die Pflanze,
In Welschland prunkt sie an den Hängen,
Dort mag man beim Gesellschaftstanze
Sein Lieb nicht wie ein Vieh bedrängen,
Drum braucht der Anstand beim Getändel
Arom von Rosen und Lavendel.

Robust die Stauden und Gehölze
Im Garten und im sonst Besonnten,
Bei Jena und am Weg nach Oelze
Reiht sich die Art zu Blüherfronten,
Also gesell Jasmin und Quendel
Das Dufterlebnis von Lavendel.

Daß Blüten holder uns als Tiere
Mag sein, weil sie in ihrem Reifen
Nicht Tatzen rühren zwei und viere
Und sanfter nach der Achtung greifen.
Ob launig der Geschmack auch pendel,
Zum Kanon zählt gewiß Lavendel.

Geheimnisreich ist das Sublime,
Das klingt in unsrer Sehnsucht wider,
Grad wie ein unsichtbarer Mime
Schreibts Sprüche oder Liebeslieder.
Drum bringt der Dichter auch ein Ständel
Der Flüchtigkeit aus dem Lavendel.