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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 7108 bis 7147

NACHTLIED AM HAFEN


Hör den Schlag vom Glockenturm,
Der vermeint, es sei schon spät,
Dünengras vergaß den Sturm,
Strandgut, was Aurora rät.
Du in Rostbraun, du in Samt,
Geist, der von der Mündung stammt,
Solltest schlafen, doch das Lied
Schläft nicht, wenn dir Schlaf geschieht.

Kobalt-Schild, vom Traum geblaut,
Tod im Leib, dein Schuppenschwanz
Ruft die Nehrung, deine Braut,
Lautlos wach zum Neumond-Tanz.
Wo Bewegung nicht mehr mag,
Wird das Hiersein ganz zur Flucht,
Wird Legende Licht und Tag,
Schlaf Geheimnis, Geist der Bucht.

Heb die Anker aus dem Schlamm,
Ufer, das im Fischdunst west,
Werde ganz vom selben Stamm,
Wenn du dich im Schlaf ergehst.
Sei im Pelz des Hermelin,
Wink, daß Star und Schnepfe ziehn,
Hauch der Mole, ach, das Lied
Weiß nicht, wie dir Schlaf geschieht.

Nebel-Leite, Traum-geküßt,
Zieht die Haut aus Algen straff,
Einkehr herrsch, daß kein Gelüst
Trenn den Geist vom sanften Haff.
Wo kein Bug den Spiegel schnitt,
Ganz nach innen fiel die Sucht,
Spielt auch meine Karte mit,
Die du einfingst, Geist der Bucht.

Spann die Segel ins Gedicht,
Ins Verlorne wirf das Netz,
Alles was du tust, tu nicht,
Was dir nicht gegeben, setz.
Losch das Mal der Stirn, die Spur
Von Vergängnis, Lust, Tortur,
Träumst du silbern, doch das Lied
Hofft nicht, daß dir Schlaf geschieht.