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Aus »Der Weiße Falter«. Gedichte 1992, Vers 5442 bis 5481

DER PROPHET


Suche nicht in fremden Häfen
Früchte, die noch unbesungen,
Denn der Zeichner deiner Schläfen
Residiert in deinen Lungen.
Was ihn künftig macht und kleidet,
Hat sich deinem Wort verschworen,
Ist dem Weisen wie dem Toren
Alles, was die Geister scheidet.

Sag nicht, daß du nichts zu sagen
Habest, wo allein die Sage
Weg und Welle bot, zu tragen
Traum zur Nacht und Traum am Tage.
Was die Götter dir vermachten,
Bot Geduld mit ihren Schwächen,
Da sie erst, als du zu sprechen
Anhobst, aus dem Staub erwachten.

Noch ist deine Spur verständig
Manchem, dem du angehangen,
Darum tilge eigenhändig
Alles, was dich je gefangen.
Nicht die frohen Zecher zählen,
Wenn der Mantel abgetragen,
Niemand wird zu fragen wagen,
Welches Wort die Wölfe wählen.

Wer mit deinen Waffen spielte,
Schmückt sein Haar mit deinen Zeichen,
Meint, dem Aar, nah dem er zielte,
Könne er das Wasser reichen.
Doch aus Staub von deinen Füßen
Sollst du deine Räusche keltern,
Aus dem Schatten deiner Eltern
Tritt, die Ältesten zu grüßen.

Niemand wird das Meer vermessen,
Dem du Schwimmer bist und Wolke,
Was dein Hochmut je besessen,
Kam aus ungeliebtem Volke.
Fremd dem Stamm und seinen Zweigen,
Sollst du ganz der Welle trauen
Und, wenn du dich umdrehst, schauen
Die Unendlichkeit: das Schweigen.