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Aus »Unstrutleuchten. Erstes Buch«. Gedichte 2014, Vers 43501 bis 43616

QUELLEN-GESANG


I

Wie es anfing willst erlauschen,
Wos verfällt und herbstlich fahlt?
Ewig dir im Quellenrauschen
Ungeborgt der Schöpfer zahlt.

Der Tokayer, der Burgunder
Stehn am End mit sanfter Ruh,
Doch allein das Quellenwunder
Ruft dir aus dem Frühtag zu.

Wenn der Zweifel dich entblutet,
So betäub ihn nicht im Wein,
Wird dir Schrecken zugemutet,
Springt die Quelle aus dem Stein.

Darum such sie unverzüglich,
Das Geröll durchfurch dein Schritt!
Sind sonst alle Omen trüglich,
Dieses bringt Gewißheit mit.

Ob im Dünwald, ob im Fichtel,
Zu den Quellen führ die Bahn!
Wo vom Silber weiß der Wichtel,
Ist das Gold kein leerer Wahn.


II

Der Geist über Wassern –
Ist dies nicht der Quell,
Der Lieder-Verfassern
Den Ton macht so hell?

Der Frühling des Jahres –
Nennt Lenz man nicht Spring,
Weil ganz Offenbares
Erzählt, es geling?

Zwar sagt dir die Tiefe
Den Dunkelton Born,
Doch heißt es, wer schliefe,
Erwache im Zorn?

Verwunschen die Adern
Im Steilhang, verwaist,
Wo Gruftspalten hadern,
Entsprudelt der Geist.


III

Der Nutznießer lobt, was ergiebig,
Nennt Schüttung und Gleichmaß und Druck,
Dies scheint mir, als mäßen wir Liebig
An Knallsilbers Flammengezuck.

Betrachten wir Kindheiten länger,
Das Mannswerk ist stets mit dabei,
Wer alles die Fruchtbarkeit schwänger,
Die Summe der Taten gibt frei.

Drum miß an der Quelle nicht Wärme,
Acht nicht, ob der Finder ein Held,
Und daß wer von Heilungen schwärme,
Sei nur eines Augenblicks Zelt.

Den Fluß, den die anderen tränken,
Daß groß und bedeutend er schwell,
Und wie die Gebirge ihn lenken,
Ist ganz schon enthalten im Quell.


IV

Zum Quell gehört der Name,
Die Tauf, der Sonnenblick,
Wie der gesprengte Same
Hineinsproßt ins Geschick.

Er mag von Lieb und Flimmern,
Von Ehr und Wehmut gehn,
Er mag für Arche-Zimmern,
Für Acht und Ahndung stehn.

Ob Groll uns droh im Dunkeln,
Das Boot die Schleuse spür,
Untiefen nächtlich funkeln,
Der Name steht dafür.

Dem Grafen und dem Fürsten,
Dem König kommt er zu,
Dort der, nach dem wir dürsten,
Führt doppelt tief das U.

Die Unstrut reicht der Rhume
Am Quell das Wasser nicht,
Doch unserm Königtume
Wäscht sie das Angesicht.


V

Wo sich das Dunkle silbert,
Wo Lust aus Tiefen sprüht,
Wo sich die Hitze mildert,
Die sommers hat geglüht,
Wo Tieren, die sich tränken,
Manch Tropfen glimmt im Fell,
Beschämt das Tun, das Denken
Die Heiligkeit am Quell.

Die Trinker preist die Reben,
Doch wer am Quell sich labt,
Der spürt wie ihm vergeben
Der Wams, der abgeschabt,
Die Schuhe, ausgetreten,
Der Füße Wundgeschwell
Und was da sonst erbeten
Die Heiligkeit am Quell.

Manch Quelle nennt man heilig,
Nicht jede zeigt sich klar,
Mal sumpfig und mal eilig,
Doch immer wunderbar,
Ob sie ein Hang belohne,
Ob eine Lichtung hell –
Sei sicher stets, es wohne
Die Heiligkeit am Quell.

Ob du sie oft besungen,
Nicht meide dies Geklüft,
Denn bist du vorgedrungen,
Sind Aug und Ohr verblüfft,
Die Silberin des Lebens
Vor Walknut und Triskell
Zeigt das Gebot Vergebens:
Die Heiligkeit am Quell.

Und ist dir nicht geläufig,
Wer solcherart entspringt,
Trink gut und horche häufig,
Was dieses Murmeln singt.
Die Erde reicht die Wunden
Dir hin, der Winds Gesell –
Auch dich hat eingebunden
Die Heiligkeit am Quell.