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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 42850 bis 42889

AM GARTENSEE


Venetien mag am Ende stehn
Wohin der Lindenduft uns trug,
Wir wollen noch nach Garten gehn,
Dort gibt es keinen Stamm zu sehn,
Jedoch zu träumen gibts genug.

Nicht ruft die Bucht, die Hafenbar,
Nicht Lebenskunst, noch Neuzeitwerk,
Vom weiten schon in Lüften klar
Geschichtenreich und wunderbar
Verholdet uns der Tafelberg.

Die Burg, die unbezwinglich schien,
Ein Steinbruch ist zuviel gesagt,
Wir steigen hoch, um stumm zu knien,
Wo es gefährlich war zu fliehn,
Als Adelheide dies gewagt.

Die Linde, die uns Uhland macht
Zum Einstieg, der ins Schweigen führt,
Zu lang währt ihre Todesnacht,
Kein Hinweis ist mehr angebracht,
Welch Stück vom Himmel ihr gebührt.

Ob Ortnit da im Schlummer lag?
Die Sterne, die es sahn, stehn bleich.
Nicht nur der Lindenwurm, der Hag,
Verloren auch der Göttertag,
Der aus dem Traume zwang das Reich.

Zypressen der Persephone
Sind Totenwächter dicht geschart,
Nachgängerlinden oft ich seh,
Doch hierzuland der Ruf »Vergeh!«
Nichts duldet in der Albenart.

Es mag die frohgemute Schar
Nicht bis ans Meer nach Raben gehn,
Nicht fragen, was da gotisch war,
Denn unser Schmerz ist offenbar
Und angezeigt kein Gnaderflehn.

Gleichwohl kein würdeloses Mühn
Bescheinigt sei der Lindenquest,
Wenn irgendwo ein Herzblatt grün,
Wenn irgenwo noch Linden blühn,
Das andere sich richten läßt.