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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 42810 bis 42849

FRAUENSTEIN


Eine Wegscheid ist nicht mehr
Ort für Einkehr, Trank und Rast,
Anders lenkt sich der Verkehr,
Wo der Schuh entbehrlich fast,
Auch beim ältsten Lindenstamm
Kärntens kehrt kein Wandrer ein,
Seiner Blüten Goldgeflamm
Keiner kennt in Frauenstein.

Spezialisten mögen lehrn,
Daß der Baum ein Kleinod sei,
Ihn persönlich zu beehrn,
Sind Termine nicht mehr frei,
Stolz preist das Gemeindeamt
Schaulust selbst im Mondenschein,
Doch die Linde hat verdammt
Zum Vergessen Frauenstein.

Also ist auch hier Solist,
Wer dem Überdauern singt
Und sich nicht der Täuschefrist
Einer Krämerzeit verdingt,
Blütenstaub auf Wams und Haar
Segnet sichtbar Brot und Wein,
Eh die deutschen Laute rar
Südenwegs von Frauenstein.

Wer so viele Linden grüßt,
Groß, bizarr und oftmals alt,
Wer mit Lindenhonig süßt,
Was ihm Lied wird und Gestalt,
Heischt nach Talismanen nicht,
Braucht nicht den Reliquienschrein,
Denn die Krone dem Gedicht
Schattet selbst bei Frauenstein.

Freilich unsrer lieben Frau
Weiht sich der Gemeinde Nam,
Daß man sie leibhaftig schau,
Die Idee wohl keinem kam.
Also schüttel sacht das Haupt,
Wenn die Heimatfreunde schrein!
Wer dem Lindenbaume glaubt,
Bleibt nicht lang in Frauenstein.