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Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 42502 bis 42541

BURGERWEIDE


Daß einer Lindenbäume liebt
Wie Kinder, wie Geschwister fest,
Ist nichts, was es erst heute gibt,
Zu jeder Zeit sichs sagen läßt.
Bei Wackersberg die Burgerweid,
Da stehn auf straßenfreier Wies,
Elf Linden ungezähmt und breit,
Als stünden sie im Paradies.

Zweihundert Jahre ist es her,
Da kam ein Wandrer hier vorbei,
Den Pilgrim überraschte sehr,
Daß solche Schönheit wirklich sei,
Unruhe plagte ihn sehr bald,
Daß wem das Holz als Münze gelt,
Denn Fäller und der alte Wald
Sind Feinde stets in dieser Welt.

Den Sommer drauf kam er vorbei,
Und in der Tat, fünf Riesen tot,
Daß Schluß mit diesem Frevel sei,
Ein Kreuz er dem Besitzer bot,
Und als der Wandrer fünfzig Jahr
Geworden, die Familie schenkt
Ihm Geld genug, wie nötig war,
Daß keiner mehr die Linden henkt.

Dies Opfer hält bis heute vor,
Die Stämme aus der Vorzeit stehn
Wie Wächter vor dem Himmelstor
Alltäglich fußwegs anzusehn,
Sie zeigen nicht nur eigenhold,
Was uns verlorenging so weit,
Sie zeigen auch, daß Grün vor Gold
Man wählen kann in jeder Zeit.

Wer freilich Aufsicht und Geduld
Auf Spezialisten überträgt,
Und meint, er habe keine Schuld,
Weil er ja niemals selber sägt,
Wer ohne Parkplatz kann nicht sein,
Und meint, die Wiese fromme Kühn,
Der bleib in seinem Kämmerlein
Und wähle auf dem Bildschirm grün.