Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »Die alte Linde. Zweites Buch«. Gedichte 2013, Vers 41808 bis 41879

SCHMORSDORF


Macht hoch die Tür,
Ruft aus die Lind,
Daß man sich spür
Als Himmelskind,
So rundlich lacht
Das Stammgebreit,
Daß es uns macht
Die Tore weit.

Kein Kriechen eng,
Kein Suchen lang,
Und kein Gedräng
Im Dunkelgang,
Nicht sollt ihr schmorn
Noch zweifeln stolz,
Ihr seid erkorn
Dem Lindenholz.

Geht ein, geht aus
In dem Koloß,
Der das Gezaus
Zum Bogen schloß –
Ob ihr erahnt
Den Pilgerchor,
Wo euch gebahnt
Das offne Tor?

Was überwallt
Spiralwand-Bühl,
Ahmt die Gestalt
Der Gletschermühl,
Geschwungnes Tun,
Das gut verwuchs,
Sagt wundimmun,
Ein Engel trugs.

So breit die Hohl
Im Kern des Baums,
Willkomm-Fahrwohl
Gewölbetraums,
Daß drüber lacht
Die grüne Kron,
Die Sphären macht
Dem Lindenthron.

So viel Empfang,
So viel der Freud!
Wird euch nicht bang
Ihr guten Leut?
Wer kindlich freun
Nicht hat verlernt,
Darf Blüten streun
Und wacht besternt.

Die Heiterkeit,
Den Taumeltanz
Schuf freilich Leid
Des Fegebrands,
Das halbe Dorf
Die Loh zerblies,
Eh überm Schorf
Das Paradies.

Die Chronik nennt
Den Tag Gerichts,
Was lang man kennt,
Der Sturm zerbrichts,
Die ihr das Jetzt
Viel später faßt,
Euch glücklich schätzt
In dem Palast.

So hoch die Tür,
Die Tore weit –
Wen traf die Kür
Der Herrlichkeit?
Habt ihr den Herrn
Und seinen Thron
Beim Abendstern
Vergessen schon?