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Aus »Die alte Linde. Erstes Buch«. Gedichte 2012, Vers 41270 bis 41333

MÜNTZERLINDE


Daß Eichen auf dem Eichsfeld nur,
Nenn ich euch ein Gerücht,
Wer freilich nur betrat die Flur,
Daß er nach Westen flücht,
Um sich als Untertan von Bonn
Den Kaffee aufzubrühn,
Kennt einzig aus dem Lexikon
Die Leine und den Dün.

Ein Baum bekommt dabei auch mit,
Die Richtung wechselt auch,
So mancher ließ beim Ruß den Britt
Unds Lager »Leerer Bauch«.
Es hieß, in Deutschland Sorgenstück
Brauchts Leute, die sich mühn,
Drum schickt der Russe nicht zurück,
Wer herkommt übern Dün.

Das zwischen großen kleine Land
Bekam, es sei beschrien,
Den Vorhang, den man eisern nannt,
Schon beim Kongreß von Wien,
Drum ist hier keinem Herzen weit
Der Kämpe, stolz und kühn,
Der Ärger macht der Obrigkeit
Auf einem Sporn des Dün.

Sei andernorts katholisch gut,
Daß man dem Grafen schleim,
Für Eichenfelder gilt der Mut
Als Christi wahres Heim,
Und daß man auf die Jungfrau bau,
Ihr sanftes Augensprühn,
So unbezwinglich macht die Au
Der Martin und der Dün.

Es löst sich auch das Rätsel auf,
Daß Müntzer Lindenpat,
Verderblich war sein Lebenslauf,
Doch daß es drum nicht schad,
Sagt nicht der Herr, der allezeit
Uns rot macht oder grün,
Drum steht der Blick auf großes Leid
Auf einem Sporn des Dün.

Das Recht, das Land zur Sache macht,
Entzog den Wald dem Wir,
Daß drob der Bauer aufgewacht,
War Hoffahrt nicht und Gier,
Was ist dem mächtigen Gehör
Der Fuß, das Kohlenglühn?
Es schaffts halt kein Kamel durchs Öhr,
Solange steht der Dün.

Ob hier der Bauer weiter brav,
Erachte nicht für ausgemacht,
Die Augen reib vom Winterschlaf,
Wenn Godehards Gefolg erwacht,
Zwar tändeln weithin Groll und Lieb
Konform und androgyn,
Jedoch die Schwarze Fahne blieb
In Speichern auf dem Dün.

Das Eichsfeld ist geteilt noch heut
Und größrer Teilung Bild,
Auch wer die Konsequenzen scheut,
Bedenk, die Weisheit gilt:
Solang der Herr des Himmels läßt
Die Lindenblüten blühn,
Die Linde lädt zum Einheitsfest
Auf einem Sporn des Dün.