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Aus »Schnitterfest«. Gedichte 2011, Vers 39666 bis 39705

SCHNITTERFEST


Ist es so still? Ich fühle mich wie taub.
Auf mir, auf Blättern Staub.
Die Sonne sticht, daß auch der Schatten schwitzt,
Und sauer riechts vom Teich herauf,
Wer heute nichts besitzt,
Macht beide Arme für die Schwermut auf,
Und hofft allein, daß sich der Himmel ritzt,
In Wolken ein Kanonenschlag verpufft,
Die heiße Luft
Thors Hammer als Befreiungsschlag durchblitzt.

Da eine Bö! Ich hör das reife Korn.
Ich ruck ein Stück nach vorn.
Die Ähren wispern wie verstört und zag.
Was macht sie weich, die hoch und fest?
Der nahe Schnittertag?
Die Wolke, die vielleicht sie faulen läßt?
Der Eber, der schon grollend stampft im Hag?
Ich horch. Es ist ein Ton nur noch, ein Fis.
Wie ungewiß
Ist doch, was Sommer uns noch bringen mag.

Das Schnitterfest! Der erste Erntedank!
Und mein Gemüt ist krank.
Wie müd die Welt? Und nun ein Jahrmarktskrach?
Ob Lärm vertreibt den Hagelschlag?
Ich werde langsam wach.
Was tut man, wenn man nicht mehr schlummern mag?
Die Quelle wär jetzt gut und längs im Bach
Zu liegen wie ein Halm, der abgemäht,
Es ist schon spät.
Ich muß zum Anger, daß die Laute lach.

Dort liegen Kränze, Kräuter, Brei und Brot.
Noch vor dem Morgenrot
Die erste Garbe schnitt der Vater stumm,
Uralter, dunkler Vorsicht treu.
Die Sonnenbahn ist krumm,
Der Winter-Bote duftet selbst im Heu,
Und irgendwann ist aller Aufschub um,
Darum bedenket wohl beim Schnitterfest:
O trinkt und eßt,
Daß Segen sei und jede Sichel summ.