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Aus »Schnitterfest«. Gedichte 2011, Vers 39626 bis 39665

DIE SCHNITTERIN


Wenn die schweren Halme nicken,
Grille zirpt und Wachtel schlägt,
Eine Schar von Zottelwicken
Lilaton ins Grüne trägt,
Wenn die Hummel wie den Käfer
Treibt der Schwüle Goldgespinn,
Beugt sich gar der Siebenschläfer
Vor der schönen Schnitterin.

Sie verströmt sich in der Schärfe
Ihrer Sense, spiegelnd hell,
Ehe Sturm das Feld verwerfe,
Ehe Hagelschlag zerspell
Alles Sonnengold-Verwöhnte,
Holder Monde Fruchtgewinn,
Der sich zu dem Bild verschönte
Von der schönen Schnitterin.

Nichts verrät, daß sie erkenne,
Was am Halme wuseln mag,
Was sie schichte, was sie trenne,
Was dem kühnen Schwung erlag,
Zwischen Zug und kurzem Blinken,
Schamhaft wie der Klingenpinn,
Darf das Auge sich betrinken
An der schönen Schnitterin.

Längst ist Zeit für Rast und Speise,
Doch die Holde mäht und mäht,
Keiner tritt in ihre Kreise,
Die zu bergen schon zu spät.
Ahnt von ihrem Mühen keiner?
Setzt sich eigenhold der Sinn?
Gings nach Wünschen, wäre meiner
Bei der schönen Schnitterin.

Mählich wird der Schatten länger,
Webt ins Gold den Hauch von Blut,
Es verwundert sich der Sänger,
Wie sie wahr den frischen Mut –
Ob ein Abendbrot ihr munde?
Ob sie stetig neu beginn?
Oder träumt im Wiesengrunde
Jemand bloß die Schnitterin?