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Aus »Kursachsenspiegel«. Gedichte 2010, Vers 37759 bis 37806

THARANDTER WALD


Sachsen ist so stark besiedelt,
Daß der Wald fast nirgends dicht,
Daß der Schrat am Borne fiedelt,
Nix im Dämmer Goldhaar flicht,
Daß der Braunbär komm aus Polen,
Ist ein Scherz für jung und alt,
Doch man glaubt es unverhohlen,
Sprichst du vom Tharanter Wald.

Zwischen technischen Triumphen
Und Betrieben eingequetscht,
Freut die Seele sich am Stumpfen,
Isegrim die Zähne fletscht,
Wo man Fischzucht treibt und Bienen
Schwärmen läßt zum Unterhalt,
Webt Arachne die Gardinen
Goldig im Tharanter Wald.

Längst vergessen sind die Mühen,
Drin der Forst aus Ödland klomm,
Wo man satt hat Rauch und Brühen,
Ruft die Lerche leichthin: Komm!
Umweltforscher, Geologen,
Prüfend Wandel und Gestalt,
Sind dem Studienort gewogen,
Nennend sich Tharanter Wald.

Mittelpunkt von Sachsens Kreisen,
Reitweg, Kutschplatz, Schlittenspaß,
Deck er rasch geschlagne Schneisen,
Und weiß nichts von Ziegenfraß,
Wandrer mögen Wipfelrauschen,
Ob es heiß ist oder kalt
Und wer hier ist, mag nicht tauschen
Etwas dem Tharanter Wald.

Auch Lips Tullians Schwarze Garde
Loht im Aquarellgetupf
Wo dich grüßt die wilde Karde,
Liegt der Räuber Unterschlupf,
Manche Beute sei vergraben,
Heißts, in feste Truhn geballt,
Dies ist alles leicht zu haben,
Gräbst du im Tharanter Wald.

Allzugern läßt man sich täuschen,
Hält für echt Potemkins Dorf,
Die Moderne sucht nach Räuschen,
Patina und dichten Schorf.
Erst wenn ihr euch abgefunden,
Daß ihr ins Vergessen fallt,
Wächst aus euern Gräber-Wunden
Wirklich der Tharanter Wald.