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Aus »Zweifelsbachgrund«. Gedichte 2010, Vers 34872 bis 34947

WASSER


I

Der Cheper der Ägypter spricht den Wassern,
Auch in der Bibel schwebt der Geist darauf,
Der Sonnenblick erkennt sich erst im nassern
Und schließt erst so die Weltenpforte auf.

Auch Thales ists das Ur von allem Walten,
Empedokles stellt Feuer, Luft und Erd
Hinzu und faßt als Vielfalt der Gestalten,
Daß eins das andre meidet und begehrt.

Man wies ihm als Symbol den Zwanzigflächner,
Der kosmisch reinen Körper Höchstgesicht,
Für alle Zukunft und für alle Rechner
Bewies Euklid, daß weitre gibt es nicht.

Es eint das Schlichte mit der Raffinesse,
Es ist der Wandel selbst und reiner Fluß,
Eh tönen kann der Urbaß aller Bässe,
Das Eis aus Joves Reichtum kommen muß.

Und wie es schmilzt, wirds Ozean und Wolke,
Es fließt im Kreis durch alles, was entsteht,
Es wird verehrt bei jedem Menschenvolke,
Weil es das Rad von Not und Fülle dreht.


II

So häufig wie das Wasser uns, so selten
Ist seine Art, als höchstes Weltenwunder
Muß dieser Habitus dem Weisen gelten,
Kein Gottbeweis erschiene mir profunder.

Je tiefer man erforscht das feuchte Wesen,
Das Regeln weiß zu spotten wie zu setzen,
So mehr muß man erfahren, wie erlesen
Die Kühle ist, dran wir die Lippen netzen.

Das Teilchen, das dem Wasser das gemeine
Reiht nicht gerad die innren Gegensätze,
Gekrümmtheit schafft ihm seitenungleich Beine,
Da sich die Schar nach Traubenart vernetze.

Da gleichwohl dies Umarmen nur gelinde,
Löst sichs so rasch wie es sich grad gebildet,
Im Wechsel, daß sich etwas lös und finde,
Der Wandel sich zu Wandelbündeln gildet.

Die machen, daß des Wassers höchste Dichte
Liegt über dem Gefrierpunkt, daß im Meere
Das Eis von einem schwimmenden Gewichte
Und so das Plankton nicht am Grund verheere.

Auch Wärmespeicher, Oberflächenspannung
Sind einzigartig beim Geschenk der Quelle,
So zeigt uns deutlich die geballte Bannung:
Der Schöpfer dachte an den Fall der Fälle.


III

Manch einer meint, der Christenbrauch der Taufe
Sei ein Verfall und von geringer Weihe,
Es gält, das Tierblut auf den Täufling laufe,
Mit Gold und Blut begnade sich der Freie.

Doch Bluten gegen Wasser auszuspielen,
Verrät ein Unverständnis für Symbole,
Der Saft des Tiers ist einer nur von vielen,
Und nicht die Farbe macht den Geist der Sole.

Im Baume strömt es grün durch die Kanäle,
Und auch Kristalle bergen Elixiere,
Daß uns der Geist zur Zeugenschaft erwähle
Geschieht nicht, weil wir ähnlich sind dem Tiere.

Das Wasser aber ist von einem Range,
Der keinem ziemt, ob fest es sei, ob flüssig,
Es birgt den Königsweg zum Übergange,
Drum scheint mir diese Wahl gemäß und schlüssig.


IV

Der Salzkristall von nicht geringer Härte
Wird sich nur bei der ärgsten Hitze regen,
Dem Wassertropfen keine Macht sich sperrte,
Als sei er allem Feuer überlegen.

Die Lösekraft, das Zeug zum Gitterbrecher,
Ist Seele und Verwandlungsweg der Feuchte,
Es ruht Gewalt in deinem schlichten Becher,
Daß jeder Dämon diesen Schlüssel bräuchte.

Denn nur die Lösung weiß zu kombinieren,
Wo sie nicht treibt, ist alles bloß Behälter,
Sie bannt den Kern und weiß auch zu verzieren,
Sie jüngt, und wird dabei kein bißchen älter.

Drum geht vom Wasser nicht nur aus das Leben,
Auch Götter steigen aus dem Meeresschaume,
Die Täler schabts und seine Wolken weben
Das Gegenstück zum dunklen Strom im Traume.