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Aus »Trichterwinde«. Gedichte 2009, Vers 34230 bis 34279

BIENEN-GERHARD


Wo seit kurzem auf Paletten
Bücher harrn des Wegs zur Post,
Hörst du Fink und Amsel wetten,
Ob da wiederkehrn die fetten
Jahre vor dem dicken Rost.

Gerhard, der die Imkerrüste
Einst in diesen Mauern schuf,
Meister war der Schwarmgelüste,
Gott sei vor, daß dieser wüßte,
Wie entseelt heut der Beruf.

Bienenkasten, Gitterklappe,
Futterzarge, Fluglochkeil,
Kiefernholz, nicht etwa Pappe,
Lachte übers allzu knappe
Schnöde Konkurrententeil.

Wanderbeute mit Beschlägen,
Abkehrtrichter, Imkerschmauch,
Wo das Wagen trifft das Wägen,
Stellt der Schauder nur den Trägen,
Und den Lustverächter auch.

Schleuder, Schmelzer, Wabenpresse,
Schaber, Rührer, Quirlgesind,
Wo einst fröhlich stob die Esse,
Las der Wind die Totenmesse
Und die Motten rief der Spind.

Mit der Tätigkeit verdorrte
Nicht nur Wachs und Bienenschwarm,
Denn der Frohsinn wich vom Orte,
Der mit nie geschloßner Pforte
Nahm die Jugend in den Arm.

Unter Apfel, Birke, Weide
Losch ein Bad den Sommerschweiß,
Wer hier kam aus seinem Kleide,
Schnellte aus dem Nachkriegsleide
Auf der Rutsche steilem Gleis.

Unverkrampfte, Leibesfrohe,
Waren Gerhard angenehm,
Ob Posaune, ob Oboe,
Ob das Horn, das waldhin hohe,
Frag nicht, was sich hob und wem.

Was gesungen, was geschworen,
Wissen wohl die Birken noch,
Was zum Abriß schien erkoren,
Traf ein Paar von Mädchenohren,
Und Erbarmen mit dem Joch.

Also ward der Preis entrichtet
An die Schöpfer Niedergangs,
Und die Bücher sind geschichtet,
Daß ein Preislied werd gedichtet
Auf die Heimkunft des Gesangs.