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Aus »Trichterwinde«. Gedichte 2009, Vers 33989 bis 34028

BLAUER EISENHUT


Prachtkerl, der am Wildbach flammt,
Daß die Ziege dich benag,
Schützt des Recken blauen Samt
Kein Gebot und kein Vertrag,
Denn die Waffe, tief gerammt
Jedem Feind als letzter Tag,
Deinem chymicus entstammt,
Der gekocht nicht lind und zag.

Elegant gewölbter Blust,
Aufrecht, stolz im satten Blau,
Wer da derart selbstbewußt
Ragt aus sturmgezauster Au,
Daß du dich versenken mußt
In die ungetrübte Schau,
Schämt sich nicht der eignen Lust
Und kennt seinen Preis genau.

Reiterkappe, Würgling, Grab,
Namen voller Acht und Scheu,
Wo man finstre Deutung gab,
Auch die andre dich erfreu,
Venuswagen heißt der Stab,
Denn ein meisterlich Gebräu
Des Berufenen, der es wag,
Spannte vor den Karrn den Leu.

Wo das Gift der Hölle lacht,
Steht ganz nah das Paradies,
Denn von selbem Geist gemacht
Sind Gewürm und Goldnes Vlies,
Drum der Meister köchelt sacht,
Wies der Süd dem Barden wies,
Und er holt die Liebesnacht
Aus dem bannenden Verließ.

Also sagt der Recke klar:
Wer da Niedrem ist bestimmt,
Der verliere Haut und Haar,
Wenn er meine Schätze nimmt.
Wer jedoch bezwang den Aar
Und wie eine Schlange schwimmt,
Lad zum Fest die Minnerschar,
Ohne daß der Leu ergrimmt.