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Aus »In den Isarauen«. Gedichte 2009, Vers 31688 bis 31723

ORWELL-JAHR


Zur Zeit, als ich nach München reiste,
Buchhändlern galt als Werbemittel
Das Buch, das jenes Jahr als Titel,
Und ausverkauft war bald das meiste.

Wer meint, er sei vorm Has der Igel,
Las eine Handlung hinterm Zaune,
Ein Mehr an Ernst verdirbt die Laune –
Und wessen Stolz mag solche Spiegel?

Dann fiel der Renner mit dem Jahre,
Ich las den Schrecken erst viel später,
Als tot schon unsrer Eltern Väter
Und Glatzen galten mehr als Haare.

Die Mode hobs, die Mode fegte
Das Werk des Briten aus den Fenstern,
Und Narretein von frechen Wänstern
Warns nun, was alle Welt bewegte.

Jedoch die Lüge ohne Gnade,
Die dieses Buch so trefflich schildert,
Hat unbefochten fortgewildert
Und ist sich keiner Zeit zu schade.

Wird was geglaubt, wo Kinder lachen,
Mut Dickres zu den Zeitungsfressern,
Beim Poker paßt nicht zu drei Ässern
Die Scham, ein viertes vorzumachen.

Kein Kostverächter ist die Lüge,
Drum öffnet sie die Rattenlöcher,
Wer Pfeile zählt in ihrem Köcher,
Den trifft von überall die Rüge.

Denn alle, die da Dreck am Stecken,
Sie schätzen Masken und Geplänkel,
Wer sagt, dies geh ihm auf den Senkel,
Wird ausgelacht als Pockenflecken.

Doch die da schwatzend Taten äffen
Und jammern über Floh und Mücke,
Die wird der Grund zu ihrem Glücke
Im Liebesministerium treffen.