Willkommen

Lebenslauf

Aktuell

Werke

Publikationen

Video

Leserstimmen

Verweise

Besucherbuch

Impressum
 
voriges Gedicht nächstes Gedicht

Aus »In den Isarauen«. Gedichte 2009, Vers 32425 bis 32505

SCHÖPFUNG


Würfelst du zu tausend Malen,
Ob in Bechern, ob in Schalen,
Es sind alles nichts als Zahlen.

Zufalls Glaub wird nie dir munden,
Denn sein Spiel hat stets entbunden,
Was es trug an Mitgift-Pfunden.

Laß dir nicht von Tölpeln schwatzen,
Daß ein Adler würd aus Spatzen,
Nur vom langen Pfützeis-Kratzen.

Droht man dir mit vielen Nullen,
Um den Zweifler einzulullen,
Wird der Ochs doch nicht zum Bullen.

Gar zu wohlfeil ist die Leere
Willig dem, der sie vermehre,
Darum gib dem Strick die Schere.

Meinens Lahme auch und Lasche,
Stieg doch nie aus Staub und Asche
Geist, daß er sich selbst erhasche.

In der Welt, die nie geschaffen,
Gibts zwar Kirche nicht und Pfaffen,
Doch auch Darwin nicht und Affen.


Schöpfung, hell-geheimnisvoll,
Vielfalt, die aus Einheit quoll,
Meisterin, die foppt und neckt,
Offenbar und gut versteckt,
Was nicht fremden Zielen front,
Einzig dem, was innewohnt,
Uns zu groß und uns zu klein,
Denn sie schlingt uns allseits ein,
Wer vor dir nach Freiheit griff,
Glich Gesäm auf totem Riff.

Stein, bedächtig und beprägt,
Wagstück, das Gebirge trägt,
Lava, Schiefer, Riff, Kristall,
Grotte, Meteorenfall,
Flammenschläger und Fossil,
Grundsubstanz und reines Spiel,
Kraft, die aus der Ruhe stahlt,
Und mit kargen Tönen malt,
Ohr zum Innenhof, Geraun
Königsweg, das Heil zu schaun.

Blume, Stern der Weidenflur,
Himmelslicht und Götterspur,
Aug, das leuchtet und nichts hält,
Morgenschöne aller Welt,
Was da qualt, ist dir Insekt,
Wo der goldne Nektar steckt,
Ist das Weltgeheimnis nah,
Aleph, Beth und Omega,
Das im Blühn der Freud, des Leids
Immer Gabe, niemals Geiz.

Quell, Gesicht für Licht und Ding,
Schüttrer Schrat und heller Spring,
Formergeist und Urteilsmut,
Der entwirft und rasch vertut,
Gingst du mit Gefolge fort,
Wär zuletzt die Zeit verdorrt,
Leicht und schwer bist du zugleich,
Drum ist unbegrenzt dein Reich,
Wem an dir die Lippen feucht,
Weiß sich eins mit dem, was kreucht.

Raupe, Gier, der alles wohl,
Mähderin für Kraut und Kohl,
Wer Verheerung fühlt mit Graun,
Wird darob ein Wunder schaun,
Denn die Puppe schließt den Ring
Mit dem holden Schmetterling,
Daß die Seele, zart und irr,
Durch den Gottesgarten schwirr,
Und wer dieses Taumeln schaut,
Läßt gar willig Haar und Haut.

Pilz, zum Sporenstand gebläht –
Wer nicht Gruft und Grab verschmäht,
Wuchert unerkannt und rasch,
Ergot oder Hallimasch.
Leuchtend überm Modergrund,
Sind dir Fluch und Segen kund
Einer Macht, der unsern quer,
Ob ihr Pate Camembert,
Oder Glück der Sammler sah,
Wie den Tod Hiroshima.