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Aus »Waldeinsamkeit«. Gedichte 2008, Vers 31088 bis 31127

FELDWEG ZWISCHEN OBSTBÄUMEN


Wo ich einst gerannt auf Kindesbeinen,
Ohne Wo und Wann und kaum der Windel
Ledig, standen sie mit Kern und Steinen,
Obstfroh als Spalier und hohe Spindel,
Ob ich Mahner, Mischkrug oder Melder
Ob die Wege Buckel oder Delle,
Meine Weiser durch die Ackerfelder
Bleiben Apfel, Kirsche, Mirabelle.

Frühste Brüder sind dem Menschen Bäume,
Früchte, die dir Durst und Hunger meistern,
Wenn du dir gewärtigst deine Träume,
Siehst du sie an den Alleen geistern,
Und sie sprachen dir vom Paradiese,
Kargt dein Herz in einer harten Zelle
Zeigt dir doch ein Loch im Turmverliese
Draußen Apfel, Kirsche, Mirabelle.

Wo sie randen, ist der Weg ein guter,
Wen sie schirmen, der ist voll von Glauben,
Galtest du als Strick, als unbeschuhter,
Konnte niemand ihre Anmut rauben,
In den Weiten, die das Hemd verklebten,
Ließ dich oft ein jeglicher Geselle,
Aber einen linden Schatten webten
Sorglich Apfel, Kirsche, Mirabelle.

Auch das Reich der Toten kann nicht ohne
Obstbaum sein, dies ist dem Herz versprochen,
Gleich in welcher Klause ich jetzt wohne,
Stets hab ich die Obstalleen gerochen,
Sie verbinden alle meine Pforten,
Alles Dunkle und auch alles Helle,
An den Spuren zwischen meinen Orten
Wachen Apfel, Kirsche, Mirabelle.

Darum werd ich nie ein Los begehren,
Als die Lande unter schweren Scharen,
Wo die Vögel mit Gesang beehren
Bäume, die mir immer Väter waren,
Und ich glaube keinem Volkspropheten,
Der sie nicht gegrüßt auf jeder Schwelle,
Denn in allen echten Herzgebeten
Bürgen Apfel, Kirsche, Mirabelle.