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Aus »Waldeinsamkeit«. Gedichte 2008, Vers 30680 bis 30719

LORELEI


Bist du im Wald allein und still,
Dich ein Gespenst versuchen will,
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Und früh zu Bett geht der April.

Du bist durch manchen Hag gewallt,
Und wie der Bussard Mäuse krallt,
Fiel oft die Nacht mit schwarzem Samt
Und tat dem Lerchenherz Gewalt.

Dies ist dein Los, dies ist dein Amt,
Wer aus dem Gau der Wandrer stammt,
Muß sommers dürsten, winters friern,
Solang die Glut im Herzen flammt.

Du darfst den Mantel nicht verliern,
Du sollst nicht wie ein Wolf vertiern.
Was trabt da leicht auf hohem Roß?
Du sollst nicht nach den Madeln stiern.

Du kommst gewiß aus stolzem Schloß.
O Wunder, das mein Aug genoß,
Ich streichel deine Schenkel zart
Und saug, was von den Lippen floß.

Sie warnt dich gut und rät zur Fahrt,
Du weißt nicht wem dein Herz sich paart,
Du bist so kalt, so gottverlorn,
Du fragst nicht mehr nach Nam und Art.

Doch der dir einst das Haar geschorn,
Hat eine Mär dem Ohr erkorn,
Es steht ein Eilandschloß im Rhein,
Ganz aus verschmähter Lieb geborn.

Du weißt: dies muß die Holde sein,
Die dich versucht zur Nacht im Hain,
Du weißt, die Hexe Lorelei
Spinnt dich mit ihren Reizen ein.

Vielleicht gibt dich die Gnade frei,
Der Zunge keine Freimut leih,
Denn du kommst aus dem Wald nicht raus,
Verrätst du, daß erkannt sie sei.

Im nächsten Dorf ein warmes Haus,
Das heilt dich rasch von jeder Flaus,
Doch schluck geschwind die bittre Pill
Und sprich den Namen ja nicht aus.